Hans-Werner David
Hans Werner wird am 28. Dezember 1926 in Pforzheim geboren. Er lebt mit seinen Eltern Arthur und Lilli sowie seiner Schwester Hannelore zunächst in der Lameystraße 24, zuletzt in der Goebenstraße 5.

HANS-WERNER, LILLI UND HANNELORE
Sein Vater führt in Pforzheim eine Schmuckwarenhandlung. Hannelore ist ab Ostern 1932 Schülerin an der Hildaschule. Hans-Werner besucht die Volksschule.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten nehmen ab 1933 die Verfolgungsmaßnahmen stetig zu. Der von staatlicher Seite befeuerte Antisemitismus setzt auch die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Pforzheims zunehmend unter Druck. Den ersten Höhepunkt stellt der Boykott jüdischer Geschäfte dar, zu dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am 1. April 1933 aufgerufen hatte. Auch in Pforzheim führen ihn Nazi-Rollkommandos durch. Die Schaufenster der Geschäfte jüdischer Kaufleute u.a. am Marktplatz und in der Westlichen Karl-Friedrich-Straße werden mit gelben Zetteln versehen. Sie tragen die Aufschrift: „Ein Lump und Landesverräter ist, wer heute noch beim Juden kauft“. SA-Männer beschimpfen Kunden, die dort einkaufen wollen. Dieser Einschüchterungsversuch verschärft die wirtschaftliche Situation jüdischer Geschäftsinhaber.
Die Familie David ist von den Maßnahmen besonders betroffen. Da das Geschäft von Hans-Werners Vater Arthur zum Erliegen kommt, kann er den Lebensunterhalt der Familie nicht mehr sichern.
Seine Eltern sehen aufgrund der prekären Lage keine Zukunft mehr in Deutschland. Arthur versucht über seine geschäftlichen Kontakte die Flucht ins Ausland vorzubereiten.
Für die Familie ist die Flucht ein tiefer Einschnitt. Es gelingt ihnen, den Großteil ihrer Möbel mitzunehmen. Sie gelangen im Jahr 1934 nach Antwerpen in Belgien. Hannelore besucht in dieser Zeit eine katholische Mädchenschule. Für den achtjähringen Hans-Werner sind die Umstände der Flucht besonders schwer. Er besucht dort eine flämische Schule. Insbesondere die Sprachschwierigkeiten bereiten ihm große Probleme und er findet schwer Anschluss. Leider kann Vater Arthur auch in Antwerpen wirtschaftlich nicht richtig Fuß fassen. Die Familie ist gezwungen, den Großteil ihrer Ersparnisse aufzubrauchen und einen Teil der Möbel zu verkaufen. Da sich auch hier die Situation zunehmend verschärft, sucht der Vater nach einer weiteren Auswanderungsmöglichkeit. Er arbeitet in dieser Zeit für eine belgische Firma in England und organisiert die Übersiedelung nach London.
Hans-Werner hat in England zum ersten Mal seit Jahren die Gelegenheit, eine einigermaßen geregelte Schulausbildung zu bekommen. Der Beginn des Krieges führt jedoch dazu, dass man ihn 1940 nach Cornwall evakuiert.
Während des Krieges suchen Arthur, Lilli und Hannelore gemeinsam mit einer Schweizer Familie regelmäßig Schutz im Keller des Hauses, um sich vor der Bombardierung durch Nazi-Deutschland zu schützen.
Hans-Werners Schwester Hannelore arbeitet in dieser Zeit in einem Flüchtlingsaufnahmezentrum und ist dort für das Gepäck zuständig. 1941 sucht die Familie eine andere Wohnung im Norden Englands, um der regelmäßigen Angriffen zu entkommen. Da sie als Deutsche in England als sogenannte „feindliche Ausländer“ eingestuft sind, gestaltet sich die Wohnungssuche schwierig. Sie ziehen letztendlich nach West Bridgford.
Hans-Werners Schwester lernt dort ihren späteren Mann Eric kennen. Sie heiraten 1942 und gründen eine Familie.


HANS-WERNER (RECHTS MIT SCHWESTER LORE)
Nach dem Krieg erfährt die Familie, dass alle ihre Freunde, die in Antwerpen zurückgeblieben waren, in Konzentrationslagern ermordet wurden.
1947 stirbt die Mutter Lilly. Vater Arthur lebt bis zu seinem Tod im Jahr 1954 in London.
Hans-Werner kann letztendlich die Schule beenden und das Studium zum Tierarzt erfolgreich abschließen. Später wandert er nach Suva auf den Fiji-Inseln aus, wo er als Tierarzt arbeitet.
Am 2. Mai 1952 nimmt er sich unter tragischen Umständen das Leben.
Hannelore David lebt bis ins hohe Alter in England, wo sie am 8. Oktober 2010 stirbt.
Die Nachfahren der Familie David leben bis heute in Großbritannien.
Autoren: „Geschichte aktiv“ Hilda-Gymnasium
Fotos: Privatarchiv Familie Strauss