Robert Zweigenthal
Robert Sigmund Zweigenthal wird am 20. Januar 1908 in Pforzheim geboren.
Zunächst lebt er mit seinen Eltern Armin und Irma in der Sophienstraße 48. 1914 wird sein Bruder Edmund Leopold geboren. Armin führt in der Durlacherstraße 42 ein Unternehmen für Silber- und Goldwaren, die er in mehrere europäische Länder sowie in die Vereinigten Staaten exportiert.
Von 1914 bis 1917 besucht Robert die Volksschule in Pforzheim, anschließend die Oberrealschule. Danach absolviert er eine Ausbildung zum Schmuckdesigner an der Städtischen Goldschmiedeschule und später an der Städtischen Kunstgewerbeschule. Ab etwa 1929 arbeitet er im Geschäft seines Vaters.

ROBERT (ZWEITER VON LINKS) WÄHREND DER ARBEIT
Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kommen und antisemitische Boykotte verhängt werden, geht der Umsatz des Unternehmens rapide zurück. Robert arbeitet kurze Zeit bei der Firma Emrich im benachbarten Mühlacker. Sein Vater Armin, der in der Tschechoslowakei geboren ist, verliert die deutsche Staatsbürgerschaft. Schließlich muss das Geschäft geschlossen werden. 1935 verlässt die Familie Zweigenthal Deutschland und macht sich auf den Weg nach Prag.
In Prag versuchen Robert und sein Vater, mit einem kleinen Geschäft für Modeschmuck ihren bescheidenen Lebensunterhalt zu verdienen. Nach einiger Zeit erkrankt seine Mutter an Krebs.
Da Roberts ungarische Freundin Elizabeth Aigner inzwischen in Paris lebt, versucht er, nach dem Einmarsch der Deutschen in das Sudetenland nach Frankreich zu gelangen. 1939 gelingt es Robert, ein Flugticket in die französische Hauptstadt zu bekommen.
In Paris hält er sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, da er keine Arbeitserlaubnis erhält. Er heiratet dort seine Freundin Elizabeth, die aus Ungarn stammt.

ROBERT UND ELIZABETH KURZ NACH IHRER HOCHZEIT
Die internationale Lage spitzt sich zunehmend zu. Kurz nachdem Robert Elizabeth geheiratet hat, schließt er sich einer Einheit der tschechoslowakischen Exilarmee an. Dadurch entgeht er der Deportation. Er wird in Agde im Süden Frankreichs stationiert. Nachdem die Wehrmacht 1940 in Paris einmarschiert, verlässt Elizabeth die Stadt und flieht – inzwischen schwanger – zu ihrem Mann nach Agde. Dort wird ihr Sohn Thomas geboren, und Robert wird schließlich demobilisiert. Als inoffizieller Fotograf der tschechoslowakischen Exilarmee setzt Robert seine Tätigkeit fort, während die Familie verzweifelt versucht, die schwer erhältlichen Visa für die Vereinigten Staaten zu bekommen. Schließlich gelingt es Robert, Elizabeth, Thomas und Elizabeths Mutter Carola Aigner im Oktober 1942, über Spanien nach Portugal zu fliehen. Von dort aus gelangen sie weiter nach New York.


ROBERT, ELIZABETH UND IHR SOHN THOMAS AUF DER „S.S. CARVALHO ARAÚJO“
In einem fremden Land neu anzufangen, ist schwierig, zumal Robert weder die Sprache beherrscht noch mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut ist. Während seiner ersten drei Jahre dort versucht er erneut, sich mit Gelegenheitsarbeiten seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nach Kriegsende bemüht er sich, ein eigenes Modeschmuckgeschäft aufzubauen – zunächst ohne Erfolg. Nachdem er drei Jahre als Designer gearbeitet hat, beginnt er 1951 erneut, zunächst im kleinen Rahmen im Schlafzimmer der Familienwohnung. Das Unternehmen entwickelt sich schließlich zu einem erfolgreichen Betrieb. Robert tritt nun unter dem Namen Robert Zentall auf. Zu dieser Zeit hat die junge Familie bereits ein weiteres Kind: Katherine, die 1948 geboren wird.
Mithilfe des Roten Kreuzes erfährt Robert, dass sein Bruder Edmund den Krieg im Großraum Prag teilweise im Versteck überlebt hat. 1946 werden die Brüder wiedervereint. Edmund, der nun den Nachnamen Zachar trägt, wandert gemeinsam mit seiner tschechischen Ehefrau Elizabeth Weisz in die Vereinigten Staaten aus. Die Brüder nehmen ihre Zusammenarbeit wieder auf: Edmund verkauft Robert Zentall Fashion Jewelry an Boutiquen und Kaufhäuser, während seine Frau den Ausstellungsraum in New York City leitet. Diesen teilen sie mit dem Lederwarenunternehmen von Roberts Schwager Etienne Aigner. Roberts Vater stirbt 1955, bevor er mit seiner Familie wiedervereint werden kann. Auch seine Mutter sieht Robert nie wieder; sie stirbt bereits während des Krieges infolge ihrer Krebserkrankung.
Wie seine Kinder und Enkelkinder blüht Robert Zentall in den Vereinigten Staaten auf, wo er 90 Jahre alt wird. Am 5. April 1998 gibt er der USC Shoah Foundation ein Interview und erzählt aus seinem Leben…
Autoren: „Geschichte aktiv“ Hilda-Gymnasium
Bildquellen: Privatarchiv Zentall (alle bearbeitet).