Ellen Saxonoff
Ellen wird am 17. August 1918 in Weinheim geboren.
Sie lebt mit ihren Eltern Hannchen und Abram Artur in der Östlichen-Karl-Friedrich-Straße 51. Die Eltern führen ein Tabakwarengeschäft in der Westlichen-Karl-Friedrich-Straße 96.
Ellen besucht im Schuljahr 1933/34 die Hildaschule. Sie verlässt diese bereits 1934 wieder und beginnt im Mai 1934 eine Lehre bei der Firma William Posner. Diese darf sie nicht beenden.

Mit dem Machtausbau der Nationalsozialisten werden in den folgenden Jahren die jüdischen Bürgerinnen und Bürger durch zahlreiche Gesetze zunehmend in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt. Vorläufiger Höhepunkt der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ist der 9. November 1938. In diesem Zuge werden etwa 30 000 Männer in Konzentrationslager verschleppt. Zahlreiche Synagogen, jüdische Geschäfte und Gebäude werden zerstört. Jüdinnen und Juden werden auf offener Straße in brutalem Ausmaß verprügelt.
Auch in Pforzheim sind in der Nacht vom 9. auf den 10. November mehrere Schlägertrupps unterwegs. Jeder Führer dieser Trupps bekommt einen Zettel mit Namen und Adressen von jüdischen Familien. Der Auftrag lautet, unter einem Vorwand in deren Wohnungen einzudringen und die männlichen Juden zu verprügeln.
Am Morgen des 10. November wird die Synagoge an der Zerrennerstraße zerstört. In der Pforzheimer Innenstadt werden mehrere jüdische Geschäfte verwüstet und die Fensterscheiben eingeschlagen. Das betrifft auch das Tabakwarengeschäft der Familie Saxonoff.
Ihr Vater Abram wird nun mehrfach zur Ausreise aufgefordert. Er erhält am 22. August 1939 eine letzte Verlängerung zum 1. November 1939. Beide fliehen zunächst nach Italien. Am 6. November 1939 emigriert das Ehepaar als Dritte-Klasse-Passagiere von Genua über Lissabon in die USA. Ellen war bereits 1938 in die USA geflohen.
Der Neuanfang in einem neuen Land ist für die Familie sehr schwer. Sie versuchen, sich in den Vereinigten Staaten ein neues Leben aufzubauen. Ellen lernt ihren späteren Ehemann Morris Schwarzwald kennen. Sie heiraten am 27. Dezember 1947. Sie gründen eine Familie und bekommen Tochter Sharon.
Ihr Vater Abram stirbt am 16. Januar 1966, Mutter Hannchen am 31. Oktober 1967 in New York City.
Ellen lebt bis zu ihrem Tod am 20. Dezember 2003 in Rockville/Maryland.
Die Nachfahren der Familie Saxonoff leben bis heute in den USA.

Von links: Rosa Fleischer, Abram, Hannchen und Ellen Saxonoff
Autor: „Geschichte aktiv“ Hilda-Gymnasium