Arthur David
Arthur David wird am 2. Februar 1890 in Gimbsheim bei Worms geboren. Seine Frau Lilli kommt am 17. August 1893 in Hanau zur Welt. Sie heiraten im August 1920. In den 1920er leben sie in Pforzheim, zunächst in der Lameystraße 24, später in der Goebenstraße 5.

ARTHURS UND LILLIS HOCHZEIT 1920
Am 7. Oktober 1921 wird Tochter Hannelore geboren, am 28. Dezember 1926 der Sohn Hans-Werner.
Arthur führt in Pforzheim eine Schmuckwarenhandlung. Hannelore ist ab Ostern 1932 Schülerin an der Hildaschule. Hans-Werner besucht die Volksschule.

HANS-WERNER, LILLI & HANNELORE
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten nehmen ab 1933 die Verfolgungsmaßnahmen stetig zu. Der von staatlicher Seite befeuerte Antisemitismus setzt auch die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Pforzheims zunehmend unter Druck. Den ersten Höhepunkt stellt der Boykott jüdischer Geschäfte dar, zu dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am 1. April 1933 aufgerufen hatte. Auch in Pforzheim führen ihn Nazi-Rollkommandos durch. Die Schaufenster der Geschäfte jüdischer Kaufleute u.a. am Marktplatz und in der Westlichen Karl-Friedrich-Straße werden mit gelben Zetteln versehen. Sie tragen die Aufschrift: „Ein Lump und Landesverräter ist, wer heute noch beim Juden kauft“. SA-Männer beschimpfen Kunden, die dort einkaufen wollen. Dieser Einschüchterungsversuch verschärft die wirtschaftliche Situation jüdischer Geschäftsinhaber.
Die Familie David ist von den Maßnahmen besonders betroffen. Da Arthurs Geschäft zum Erliegen kommt, kann er den Lebensunterhalt der Familie nicht mehr sichern.
Auch an der Hildaschule nimmt der Antisemitismus seit 1933 stetig zu. Jüdische Schülerinnen werden schrittweise ausgegrenzt, im Unterricht zunehmend ignoriert und müssen letzten Endes in der letzten Bankreihe sitzen. Zeitzeuginnen berichten rückblickend von einer völligen Isolation.

HANNELORE AUF EINEM KLASSENFOTO
Arthur und Lilli sehen aufgrund der prekären Lage keine Zukunft mehr in Deutschland. Arthur versucht über seine geschäftlichen Kontakte die Flucht ins Ausland vorzubereiten.
Für die Familie ist die Flucht ein tiefer Einschnitt. Es gelingt ihnen, den Großteil ihrer Möbel mitzunehmen. Sie gelangen im Jahr 1934 nach Antwerpen in Belgien. Hannelore besucht in dieser Zeit eine katholische Mädchenschule. Für ihren achtjähringen Bruder Hans-Werner sind die Umstände der Flucht besonders schwer. Er besucht dort eine flämische Schule. Insbesondere die Sprachschwierigkeiten bereiten ihm große Probleme und er findet schwer Anschluss. Leider kann Arthur auch in Antwerpen wirtschaftlich nicht richtig Fuß fassen. Die Familie ist gezwungen, den Großteil ihrer Ersparnisse aufzubrauchen und einen Teil der Möbel zu verkaufen. Da sich auch hier die Situation zunehmend verschärft, sucht der er nach einer weiteren Auswanderungsmöglichkeit. Er arbeitet in dieser Zeit für eine belgische Firma in England und organisiert die Übersiedelung nach London.
Seine Tochter Hannelore beschreibt ihre Situation in einem Brief aus dem Jahr 1957 so: Ich musste „aufgrund der hitlerischen Rassenverfolgung im 13. Lebensjahr die Realschule zu Pforzheim verlassen und konnte nach meiner Auswanderung […] weder die unterbrochene Schulausbildung fortsetzen noch eine Berufsausbildung erhalten. Ab meinem 14. Lebensjahr musste ich meinen Eltern durch einfach Büroarbeit beim Broterwerb helfen.“
Hannelore wird von ihren Eltern eine Zeit lang nach Frankreich geschickt, um dort als Au Pair zu arbeiten. Als sich der Krieg abzeichnet, kehrt sie zurück nach London. Ihr Bruder Hans-Werner hat in England zum ersten Mal seit Jahren die Gelegenheit, eine einigermaßen geregelte Schulausbildung zu bekommen. Der Beginn des Krieges führt jedoch dazu, dass man ihn 1940 nach Cornwall evakuiert.
Während des Krieges suchen Arthur, Lilli und Hannelore gemeinsam mit einer Schweizer Familie regelmäßig Schutz im Keller des Hauses, um sich vor der Bombardierung durch Nazi-Deutschland zu schützen.
Hannelore arbeitet in dieser Zeit in einem Flüchtlingsaufnahmezentrum und ist dort für das Gepäck zuständig. 1941 sucht die Familie eine andere Wohnung im Norden Englands, um der regelmäßigen Angriffen zu entkommen. Da sie als Deutsche in England als sogenannte „feindliche Ausländer“ eingestuft sind, gestaltet sich die Wohnungssuche schwierig. Sie ziehen letztendlich nach West Bridgford.
In West Bridgford lernt Hannelore Eric Strauss kennen. Im Jahr 1942 heiraten sie und Hannelore ändert ihren Vornamen in Johanna Lore. Sie beziehen im selben Ort ein altes Haus.
Ihr Mann Eric beschreibt es später als klein und primitiv, betont jedoch rückblickend: „Zusammen zu sein und und zu teilen, war genug in dieser Zeit“.
1943 kommt ihr erstes Kind zur Welt: Sohn Peter. Sie bekommen noch zwei weitere Kinder: Allen und Lanny.

LORE, PETER & ERIC
Nach dem Krieg erfahren sie, dass alle ihre Freunde, die in Antwerpen zurückgeblieben waren, in Konzentrationslagern ermordet wurden.
1947 stirbt seine Frau Lilly. Arthur lebt bis zu seinem Tod im Jahr 1954 in London.
Hans-Werner kann letztendlich die Schule beenden und das Studium zum Tierarzt erfolgreich abschließen. Später wandert er nach Suva auf den Fiji-Inseln aus, wo er als Tierarzt arbeitet. Am 2. Mai 1952 nimmt er sich unter tragischen Umständen das Leben.
Hannelore David lebt bis ins hohe Alter in England, wo sie am 8.Oktober 2010 stirbt.
Die Nachfahren der Familie David leben bis heute in Großbritannien.


LILLI & ARTHUR; RECHTS: HANS-WERNER & LORE
Autoren: „Geschichte aktiv“ Hilda-Gymnasium
Fotos: Privatarchiv Familie Strauss