Senta Manasse

Senta Manasse ist am 20. Dezember 1926 geboren.

Ihre Eltern Henriette und Julius sterben 1934. Sie und ihre Schwester Irene wachsen bei der Großmutter Emma in Neckarzimmern auf. Von 1935 bis 1938 sind sie im jüdischen Waisenhaus in Esslingen, dann wieder in Neckarzimmern.

Die Nazis verschleppen die Schwestern mit ihrer Großmutter in das Lager Gurs.

Senta erinnert sich nicht daran, wie es gelangt, am 6. August 1942 bei einer Razzia der Vichy-Polizei nicht aus dem Lager deportiert zu werden. Die Großmutter Emma wird auf den ersten Transport gezwungen und am 10. August 1942 von Drancy in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Mitarbeiterinnen des OSE retten die Schwestern am 8. August 1942 aus dem Lager und bringen sie nach Vic-sur-Cère in ein Heim der Hilfsorganisation „Amitié Chétienne“. Als Ende November 1942 die Nazi-Wehrmacht ganz Frankreich besetzt, werden die Schwestern für sechs Wochen in einem Nonnen-Kloster in Aurillac versteckt. Zurück in Vic-sur-Cère erhalten sie richtige falsche Papiere, hergestellt von Roger Bonhoure, dem Sekretär des Bürgermeisters.

Mitte 1943 geht Senta zu ihren kommunistischen Freundinnen, die sie im Lager Gurs kennen gelernt hat und die sich in Lyon der Résistance angeschlossen haben. Sie wird zu „Suzanne Laurent“, geboren in der Region Alsace, und nimmt an Aktionen der Widerstandsgruppe teil: „Gewisse Flugblätter waren für die deutschen Soldaten bestimmt. Sie informierten sie über die Lage an der russischen Front und veranlassten sie[Anm.: sollten sie dazu bringen], den Krieg zu beenden. Wir warfen sie über die Mauern ihrer Kasernen…Wir gingen auch vor die deutschen Kasernen, um pazifistische Parolen zu schreiben. Nur mit einem Topf weißer Farbe und Pinseln bewaffnet schrieben wir auf deutsch ‚Halt Krieg‘ auf den Boden“.

Nach der Verhaftung der meisten ihrer Widerstandsgruppe schließt sich Senta den FTPF an, den kommunistisch orientierten Freischärlern und Partisanen, und nimmt im Raum Lyon an bewaffneten Aktionen gegen die Nazi-Besatzer teil: „Oft transportierte ich Waffen. Andererseits profitierte ich von der ‚Beschlagnahme’ von Gutscheinen [Lebensmittelmarken] oder Geld in den Postämtern. Ich lag draußen auf der Lauer und im Fall einer Gefahr warnte ich, damit man sich aus dem Staub machen konnte“.

Nach der Befreiung von Lyon wird die Résistance-Gruppe in die französische Armee eingegliedert: „Wir waren alle Soldaten, wir bezogen einen Sold, wir versteckten uns nicht mehr, mussten nicht mehr mit der Angst kämpfen, wir hatten endlich Zeit für Scherze und für die Liebe“. 

1945 zieht Senta mit ihrem Freund Georges Victorovitch nach Grenoble, sie heiraten und am 13. August 1945 kommt die Tochter Jeannine zur Welt.

Wie ihre Schwester Irene die Zeit bis zur Befreiung überlebt, ist nicht bekannt.


Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle

Quellen: Ehlert, Fontaine, Kessler, Manasse, Schwager, in: Gerettete und ihre Retter*innen • Jüdische Kinder im Lager Gurs, Karlsruhe 2021, S. 104. Zur Onlineversion (externer Link)