In der Rennfeldstraße 3 lebte die Familie Zloczower. Nach ihrer Verschleppung wird am 25. November 1940 ihre Wohnungseinrichtung versteigert. Die Versteigerung wird zuvor in der Pforzheimer Rundschau angekündigt:

Marcel und Sofie Zloczower (geb. Guggenheim) werden 1940 mit ihren Kindern Ethel, Sally und Adelheid nach Gurs verschleppt.

Ethel und die Eltern kommen 1941 in das Lager Rivesaltes, Adelheid und ihr Bruder Sally werden durch Mitarbeiterinnen des OSE in das OSE-Heim im „Château Chabannes“ und im September 1942 in die Schweiz gerettet.

Ethel und ihren Eltern gelingt es, in das Lager in La Meyze südlich von Limoges verlegt zu werden. In diesem Lager für ältere und arbeitsunfähige Ausländer kümmern sich Mitarbeiterinnen des CIMADE um die Internierten. Sie und ihre Eltern überleben dort und nach der Befreiung kommen Adelheid und Sally ebenfalls nach La Meyze. 

Die Familie wandert nach 1945 in die USA aus.


In der Kronprinzenstraße 25 lebten mehrere Familien (siehe unten). Nach ihrer Verschleppung werden am 25., 26., 28. und 29. November 1940 ihre Wohnungseinrichtungen versteigert. Die Versteigerung wird zuvor in der Pforzheimer Rundschau angekündigt:

Adolf Hamburger: 1943 in Noé gestorben

Kläre Hamburger (geb. Adler): 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert – verschollen

Moritz Hamburger: 1940 im Lager Gurs gestorben

Alfred und Klara Landau (geb. Ginsberger): 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert – ermordet

Karl Leopold Landau: gerettet und überlebt

Israel Landkutsch: 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert – verschollen

Betty Landkutsch (geb. Gerstel): 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert – verschollen

Johanna Reutlinger (geb. Hamburger): gerettet – Flucht USA

Louis Reutlinger: gerettet – Flucht USA

Else Reutlinger (geb. Hamburger): gerettet – Flucht USA

Ruth Lea Reutlinger: gerettet – Flucht USA

Bella Stein (geb. Friedmann): 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert – verschollen

Max Stein: gerettet – Flucht Großbritannien

Lina Stein (geb. Reich): gerettet

In der Güterstraße 5 lebten mehrere Familien (siehe unten). Nach ihrer Verschleppung werden am 23. November 1940 ihre Wohnungseinrichtungen versteigert. Die Versteigerungen werden zuvor in der Pforzheimer Rundschau angekündigt:

Marta Braun überlebt die Deportation nach Auschwitz nicht. Lilli Braun kann gerettet werden und lebt später in den USA.

Helene Goldbaum (geb. Bensheimer) und Ihre Tochter Nathalie Rosenfeld (geb. Goldbaum) können sich in die USA retten.

Moritz und Hermine Holzer (geb. Kilsheimer) können sich nach Großbritannien retten. Ihr Sohn Erich überlebt die Verfolgung nicht und wird 1942 im KZ Auschwitz ermordet.

Julius Tiefenbronner wird gerettet und lebt später in den USA.

Heinz Tuwiener wird 1942 über Drancy in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet.

In der Güterstraße 18 lebte die Familie Maier. Nach ihrer Verschleppung wird am 21 und 22. November 1940 ihre Wohnungseinrichtung versteigert. Die Versteigerung wird zuvor in der Pforzheimer Rundschau angekündigt:

Rosa Daube (geb. Maier) und Julius, Irma (geb. Weil) Ilse und Manfred Maier werden alle 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Sie überleben die Verfolgung nicht.

In der Metzgerstraße 17 lebten Daniel Fischl und die Familie Ullmann. Nach ihrer Verschleppung werden am 14. November 1940 ihre Wohnungseinrichtungen versteigert. Die Versteigerung wird zuvor in der Pforzheimer Rundschau angekündigt:

In der Durlacherstraße 67 lebte Johanna Bloch. Nach ihrer Verschleppung wird am 21. November 1940 ihre Wohnungseinrichtung versteigert. Die Versteigerung wird zuvor in der Pforzheimer Rundschau angekündigt:

Johanna Bloch wird 1942 weiter nach Récébédou deportiert. Sie überlebt die Verfolgung nicht.

In der Zähringerallee 41 lebte Johanna Roth. Nach ihrer Verschleppung wird am 16. November 1940 ihre Wohnungseinrichtung versteigert. Die Versteigerung wird zuvor in der Pforzheimer Rundschau angekündigt:

Johann Roth wird 1942 weiter über Drancy in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Sie überlebt die Verfolgung nicht.

In der Bertholdstraße 4 lebten mehrere Familien (siehe unten). Nach ihrer Verschleppung werden am 21., 27., 28. und 30. November 1940 ihre Wohnungseinrichtungen versteigert. Die Versteigerungen werden zuvor in der Pforzheimer Rundschau angekündigt:

[highlight snippet=“6851″]Hedwig David[/highlight] und [highlight snippet=“7090″]Sofie David[/highlight] überleben die Deportation 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz nicht.

Leopold und Ida Dreifuss (geb. Blum) können gerettet werden und leben später in den USA.

Thekla Dreifuss (geb. Nathan) wird gerettet und lebt später in den USA.

[highlight snippet=“10154″]Leo Erlanger[/highlight] wird 1942 mit dem 17. Transport nach Auschwitz deportiert und ermordet. Karoline Erlanger (geb. Weinheimer) stirbt am 4. Dezember 1940 im Lager Gurs.

[highlight snippet=“10160″]Fritz[/highlight] und Herta Gottschalk werden 1942 weiter nach Auschwitz deportiert und ermordet.

[highlight snippet=“10162″]Julius[/highlight] und [highlight snippet=“10163″]Elise Kahn (geb. Weissburger)[/highlight] werden 1942 in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet.

Eva Katzenstein (geb. Weinberg) wird am 2. September 1942 nach Auschwitz deportiert. Sie überlebt die Verfolgung nicht.

David und Auguste Maier (geb. Kahn) werden über die Lager Rivesaltes und Drancy 1942 in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet. Tochter [highlight snippet=“10158″]Margot[/highlight] wird von der ökumenischen Hilfsorganisation „Amitié Chrétienne“ in das Heim in Vic-sur-Cère gebracht und gerettet. Ab 1943 wird sie bei Renée und Jean Guillaud in Saint-Jean-en Royans versteckt. Sie emigriert nach der Befreiung in die USA.

[highlight snippet=“6733″]Ludwig[/highlight] und [highlight snippet=“7054″]Amalie Nachmann (geb. Kahn)[/highlight] werden ebenso 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet.

Elias Schermann wird weiter nach Les Milles deportiert. Er kann 1942 in die USA fliehen.

Hermine Schwarz (geb. Stiefel) überlebt die Verfolgung und emigriert später in die USA.

Louis Stern stirbt am 5. Januar 1941 im Lager Gurs.

Jenny Windecker wird 1944 weiter nach Auschwitz deportiert und ermordet.

[highlight snippet=“10156″]Helmut Wolff[/highlight] wird 1943 weiter nach Sereilhac deportiert, kann aber gerettet werden. Er lebt nach dem Krieg wieder in Pforzheim.

In der Hohenzollernstraße 78 lebte Henriette Blondine Emsheimer (geb. Metzger). Nach ihrer Verschleppung wird am 14. und 15. November 1940 ihre Wohnungseinrichtung versteigert. Die Versteigerung wird zuvor in der Pforzheimer Rundschau angekündigt:

Henriette Emsheimer stirbt 1940 im Lager Gurs.

In der Erbprinzenstraße 20 lebten mehrere jüdische Familien. Nach ihrer Verschleppung werden am 12. Dezember 1940 ihre Wohnungseinrichtungen versteigert. Die Versteigerung wird zuvor in der Pforzheimer Rundschau angekündigt:

Friedrich Maier wird 1941 weiter verschleppt, u.a. in das Lager Les Milles und nach Rivesaltes. Er überlebt und gelangt nach dem Krieg in die USA. Seine Frau Käthe (geb. Reinheimer) überlebt ebenso und lebt später in den USA.

Otto Michelson überlebt die Verfolgung nicht. Seine Frau Setty Michelson (geb. Kleemann) wird 1942 weiter nach Drancy deportiert und kurz darauf weiter in das Konzentrationslager Auschwitz. Sie überlebt nicht.

Max Rödelsheimer wird 1942 weiter in das Lager Drancy und kurz darauf in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet.

Eugen Rothschild überlebt die Verschleppung nach Gurs nicht und stirbt am 10.November 1940 in Pau (Frankreich). Seine Frau Rosa Rothschild (geb. Adler) kann 1941 in die USA fliehen.

Emil und Hermine Simon (geb. Barth) überleben die Verfolgung nicht. Nach der Verschleppung nach Gurs stirbt Emil Simon dort am 10. Juni 1941. Auch seine Ehefrau Hermine kommt im Lager ums Leben.

Mit den fallenden Temperaturen geht es [highlight snippet=“6809″]Lilli[/highlight] gesundheitlich zunehmend schlechter. Zuerst erkrankt sie an der Roten Ruhr, eine schwere bakterielle Durchfallerkrankung, die durch die Mangelhygiene verursacht wird. Wenig später erleidet sie Typhus-Fieber. Dazu kommen noch Erfrierungen an beiden Knien. Die Schmerzen sind unerträglich. Sie magert regelrecht zu einem Skelett ab und ist so schwach, dass sie nicht einmal aufstehen kann. Immerhin sind ein paar Hilfskräfte des Schweizer Roten Kreuzes im Lager. Sie versuchen zumindest das Leid der Kinder im Lager etwas zu mildern und sie notdürftig zu versorgen. Die Rot-Kreuz-Schwester [highlight snippet=“8929″]Elsbeth Kasser[/highlight] sucht nach freiwilligen Helferinnen unter den Lagerinsassen. Darunter sind auch die ehemalige Hildalehrerin Hedwig David und ihre Schwester Sofie. Sie versuchen für die älteren Kinder die Verhältnisse erträglicher zu machen und organisieren auch ein wenig Unterricht, soweit das eben möglich ist. Der Ersatzunterricht findet in der Baracke im [highlight snippet=“8080″]“Ilot K“[/highlight] statt. Auch Lilli versucht phasenweise teilzunehmen, als es ihr besser geht. Oft ist sie aber zu geschwächt.

Hedwig und Sofie David •[highlight snippet=“9824″]Q[/highlight]

Was die Situation der Kinder auch ein wenig verbessert, sind aus der Schweiz gespendete Pakete mit Grundnahrungsmitteln. Diese organisiert das Kinderhilfswerk der jüdischen Gemeinden Frankreichs, [highlight snippet=“7116″]OSE[/highlight], und vermittelt dazu Patenschaften im Ausland für die Kinder. Mit der Zeit ist man in der Not erfinderisch. Durch internationale Hilfsorganisationen kommen Spiel- und Sportgeräte ins Lager. Eine der Internierten, [highlight snippet=“7107″]Anne-Rose Wolf[/highlight], war bereits in Karlsruhe Hilfsturnlehrerin. Sie organisiert bei schönem Wetter Sport und Spiele für die Kinder. Ebenso werden notdürftig Zupfinstrumente aus leeren Milchpulverfässern hergestellt. Und sogar eine Kindertheatergruppe spielt unter der Leitung von Hedwig Zweig kleine Szenen zu Liedern wie „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“. Die Aktivitäten tun nicht nur den inhaftierten Kindern gut, sie lenken auch die Erwachsenen vom tristen Lagerleben ab, das geprägt ist von Hunger und Tod.

Heimlich im Lager aufgenommene Fotos (Quelle: United States Holocaust Memorial Museum •[highlight snippet=“9826″]Q[/highlight])

Lillis Gesundheitszustand stabilisiert sich in den folgenden Monaten nicht wesentlich. Zu allem Übel bekommt sie auch noch [highlight snippet=“8088″]Gelbsucht[/highlight]. Eine Genesung in dieser Situation, bei mangelnder medizinischer Versorgung in überfüllten Baracken, ist zunehmend unwahrscheinlich. Für internierte Kinder in diesem Zustand versucht das Rote Kreuz eine Freilassung zu erreichen, um sie in Kinderheime zu bringen, wo sie versorgt werden können. Dafür ist die Zustimmung der Eltern notwendig. Für Lilli rückt dieser Moment näher. Da ihre [highlight snippet=“6990″]Mutter[/highlight] die Hoffnung hat, dass Lilli dadurch überleben kann, unterschreibt sie letztendlich unter bitteren Tränen die Papiere für die Abfahrt ins Kinderheim. Ob sie sich je wieder sehen, ist ungewiss.

Am anderen Ende der Welt finden [highlight snippet=“7043″]Ida[/highlight] und ihre Familie in [highlight snippet=“10130″]Bolivien[/highlight] einen Ort, der ihnen Sicherheit vor der Verfolgung bietet. Aber das Land ist im wahrsten Sinne des Wortes eine andere Welt.

Auch wenn die Familie versucht, sich in [highlight snippet=“10133″]La Paz[/highlight] eine neue Existenz aufzubauen, sind die Narben tief. Dazu kommt die Ungewissheit über die Zurückgebliebenen, Verschleppten und Vermissten. Und der schwierige Neuanfang, der nicht nur die Sprache betrifft, sondern auch die finanzielle Lage der Familie. Der ganze Hausrat, den die Familie nach Rotterdam geschickt hatte, kommt nie bei den Bensingers an. Die Familie beginnt mit nichts und muss deshalb auch mehrfach umziehen. Immerhin gibt es die Sopro, die die Geflüchteten unterstützt und bei der Arbeitssuche hilft. Und die Einheimischen nehmen Idas Familie sehr gut auf. Ihr Vater findet eine Stelle als Verkäufer. Ida ist froh, dass sie inzwischen die Stelle als Kindermädchen bekommen hat. Zuerst arbeitete sie für kurze Zeit als eine Art „Ladendetektivin“. Ihr fiel es aber schwer, weil sie so lange herumstehen musste. Das passte gar nicht zu ihr. Daher hat sie mit der neuen Stelle Glück. Außerdem wohnt sie nun auch bei der Familie. Und was für Ida der pure Luxus nach all den Entbehrungen ist: Sie teilt sich mit den Mädchen ein eigenes Bad. 

Nach einer Weile findet [highlight snippet=“7043″]Ida[/highlight] auch Anschluss. Insbesondere andere Geflüchtete aus verschiedenen Ländern finden sich zu einem Freundeskreis zusammen. Was Ida Halt gibt, sind die Briefe, die sie regelmäßig in alle möglichen Länder verschickt und bekommt. Leider kommen viele nicht an. Aber das ist der einzige Weg, Kontakt zu halten und Informationen über Freunde und Familienmitglieder zu bekommen, die auf der ganzen Welt verstreut sind. Auch der regelmäßige Kontakt zu Fritz in Schweden ist für sie ein wichtiger Anker.

Am 22. Juni 1941 erschüttert eine Nachricht die Weltöffentlichkeit. Die Wehrmacht überschreitet mit rund 3 Millionen Soldaten die sowjetische Grenze und startet einen beispiellosen Angriffskrieg. Das Kriegsgeschehen weitet sich zu einem Weltkrieg aus. Er wird von deutschen Truppen im Osten rücksichtsloser und brutaler geführt, als es sich viele vorstellen können. [highlight snippet=“6807″]Trude[/highlight] ist zu diesem Zeitpunkt noch in Berlin. Eine Nachricht von ihren Verwandten aus [highlight snippet=“8090″]Haigerloch[/highlight] führt dazu, dass sie die Hauptstadt verlässt.

Wovon die Welt nichts ahnt, wird am 20. Januar 1942 in einer Villa am Berliner Wannsee beschlossen. Hochrangige NS-Funktionäre treffen sich unter der Leitung des SS-Obergruppenführers [highlight snippet=“7117″]Reinhard Heydrich[/highlight]. Sie besprechen die Koordinierung der Deportation der jüdischen Bevölkerung Europas. Das Ziel: eine Massenvernichtung in Konzentrationslagern wie Auschwitz, Treblinka oder Sobibor. Dazu sollen Lager wie Gurs geräumt und die Internierten zur Vernichtung Richtung Osten weiterdeportiert werden.

[highlight snippet=“6809″]Lilli[/highlight] ist inzwischen im Heim „La Guespy“ in Le Chambon sur Lignon angekommen. Es wird ihre neue Bleibe. Die Leiterin [highlight snippet=“7108″]Juliette Usach[/highlight] kümmert sich liebevoll und aufopfernd um die ihr anvertrauten Kinder. Durch die gute Versorgung kann Lilli langsam, aber sicher gesund werden, auch wenn es mehrere Monate dauert. Was jedoch bleibt, ist die Trennung von ihrer Mutter. Sie vermisst Marta sehr und erlebt immer wieder unerträgliche Momente der Einsamkeit. Als Lilli gesund genug ist, besucht sie auch phasenweise als Gast eine französische Schule. Es macht sie glücklich, endlich wieder etwas lernen zu können, auch wenn sie die verlorenen Jahre nicht aufholen kann.

Juliette Usach mit Lilli und weiteren geretteten Kindern (Quelle: United States Holocaust Memorial Museum •[highlight snippet=“9829″]Q[/highlight])

Auch wenn Lilli vorerst sicher scheint, ist eine gute Tarnung wichtig, denn es droht jederzeit die Entdeckung und Verhaftung durch die mit den Nazis verbündete [highlight snippet=“7109″]Vichy[/highlight]-Polizei. Juliette Usach besorgt ihr deshalb falsche Papiere. Lilli Braun wird zu „Elli Müller“. Ihr Geburtsort ist nun Straßburg anstatt Pforzheim. Auch ihre seltenen Schulbesuche finden unter falschem Namen statt. Mehrmals hat sie das Glück, dass sie vor den „Behördenbesuchen“ gewarnt wird und eine Frau, die in der Nähe der Schule wohnt, sie in ihrem Keller oder Speicher versteckt, bis die Gefahr vorüber ist.

Lilli •[highlight snippet=“9831″]Q[/highlight]

Der Schulbesuch und ihr Gesundheitszustand machen Lilli endlich wieder Hoffnung. Doch diese wird schnell zerschlagen. Am 26. August 1942 findet im Kinderheim eine Razzia statt. Die Vichy-Polizei rückt unerwartet an und durchkämmt das Gebäude. Geistesgegenwärtig springt Lilli aus dem zweiten Stock. Der Aufprall verursacht heftige Schmerzen in den Knien. Unter Todesangst versucht sie, die Schmerzen zu ignorieren. Sie rennt um ihr Leben, so schnell es ihre Kräfte eben erlauben. Lilli flieht in den folgenden Tagen und Wochen von einem zum anderen Ort. Ihr linkes Knie müsste eigentlich versorgt werden, da es nach einiger Zeit zu eitern beginnt. Ärztliche Hilfe kann sie aber nicht aufsuchen, um nicht entdeckt zu werden. Erst als sie Hilfe von Nonnen bekommt, kann sie medizinisch versorgt werden. Sie verarzten sie notdürftig und bringen Lilli zu einem vertrauenswürdigen Arzt, der sie mehrfach behandelt und den Eiter mit Hilfe eines Abflussröhrchens abzapft. Er gibt ihr auch eine Salbe, die sie regelmäßig auf das Zahnfleisch auftragen muss. Aufgrund der Unterernährung hatten sich Lillis Zähne gelockert. Sie ist dankbar für die Hilfe, gleichzeitig ist da aber dieses Gefühl des Ausgeliefertseins, da sie sich immer auf die Hilfe von Fremden verlassen muss. Krankheit und Angst sind ihre ständigen Begleiter. Furcht vor Verfolgung und Tod begleiten sie in ihren Träumen. Doch Lillis körperlicher Zustand verbessert sich in kleinen Schritten.

Im Lager Gurs wird auch für [highlight snippet=“6796″]Edith[/highlight] das Ausmaß ihrer ausweglosen Lage bewusst. Täglich sterben Menschen, besonders die Älteren und Schwächeren. Edith sucht sich eine Aufgabe, um sich dadurch abzulenken, soweit das eben möglich ist. Jede Aufgabe ist besser, als nichts zu tun. Sie versucht ihr Schul-Französisch aufzubessern und mit Hilfe der dort ebenfalls inhaftierten Spanier deren Sprache zu lernen. Dabei hilft ihr ihr Talent für Fremdsprachen. Ihr gutes Französisch verschafft ihr eine Arbeit als Haushaltsgehilfin bei einem französischen Polizisten. Später beschäftigt sie sich mit weiteren kleinen Aushilfstätigkeiten. Im Dezember lernt Edith eine Gruppe österreichischer Jugendlicher kennen. Beim improvisierten Tischtennisspielen trifft sie einen jungen Mann. Sie sind sich sehr sympathisch und verlieben sich ineinander. Wie Edith erfährt, organisieren sich er und die anderen Jugendlichen im Widerstand.

Im Mai 1942 beginnen die ersten Deportationen aus dem Lager heraus. Edith versucht vergebens ihre Eltern zur gemeinsamen Flucht zu überreden, jedoch entgegnen diese, sie seien zu alt. [highlight snippet=“6980″]Salomon[/highlight] und [highlight snippet=“6981″]Sophie[/highlight] Rosenblüth werden später in einen Zug mit unbekanntem Ziel gesteckt.

Sie selbst flieht im Juli 1942 mit ihren österreichischen Freunden und der Hilfe von verschiedenen Organisationen, wie dem [highlight snippet=“7116″]OSE[/highlight] und dem [highlight snippet=“7115″]CIMADE[/highlight]. Bevor sie das Lager verlassen, „heiraten“ Edith und ihr Freund. Sie versprechen sich, sich in Wien wiederzutreffen, falls sie auf der Flucht voneinander getrennt werden sollten.

Ediths vorübergehende Bleibe ist ein von der ökumenischen Organisation „Amitié Chrétienne“ eröffnetes Heim für jüdische Jugendliche in Lastic-Rosans im Departement Hautes-Alpes südwestlich von Gap. Doch der Aufenthalt bleibt nur eine kurze Zwischenstation.

Am 26. August 1942 wird sie im Rahmen der Razzia der Vichy-Polizisten mit drei weiteren Mädchen verhaftet. Sie deportieren sie in das Lager Les Milles bei Aix-en-Provence. Nach über einem Monat Inhaftierung droht die Verschleppung in ein anderes Lager im Osten. Sie kann sich mit anderen jungen Frauen in Schlafräumen und Toiletten verstecken. Rumänische Kommunisten helfen ihnen bei der Flucht. Mit Hilfe eines Bettrostes, den sie an die Mauer lehnen, können sie aus dem Lager fliehen und gelangen nach sechs Stunden Fußmarsch zu österreichischen Kommunisten nach Marseilles. Dort besorgen sie sich zuerst falsche Papiere. Ihren neuen Personalausweis mit Lichtbild muss sie nun ständig bei sich tragen, denn dauernd gerät sie in Kontrollen, sobald sie sich auf die Straße wagt. Die Angst, enttarnt zu werden, ist ihr ständiger Begleiter. Edith und ihre Freunde entschließen sich nach Lyon zu fahren. Dort soll es einfacher sein, unterzutauchen, da deutlich weniger Kontrollen stattfinden als in Marseille. Sie sind froh einander zu haben, denn sonst kennen sie niemanden in der fremden Stadt. Um langfristig in Lyon zu bleiben, beschafft sich Edith unter dem Namen Annemarie Faller in der 151 Rue Paul Bert eine neue Wohnung. Sie gibt sich als Elsässerin aus, da sie noch kein perfektes Französisch kann und sie so unter den vielen Flüchtlingen aus dem von Deutschland besetzten Nordfrankreich kaum auffällt. 

Für Trude ist der „Alltag“ im Lager ein täglicher Kampf ums Überleben. Eines Tages wird sie in ein anderes Arbeitslager deportiert.

Über zweieinhalb tausend Kilometer entfernt sind Trudes Eltern den menschenunwürdigen Zuständen im [highlight snippet=“7441″]Lager Rivesaltes[/highlight] ausgeliefert. Sie waren zuvor vom Lager Gurs aus weiter verschleppt worden. Die hygienische Situation ist miserabel. Im Sommer ist das Lagergelände einer gleißenden Hitze ausgesetzt, in den Wintermonaten weht dort ein eisiger Wind. Immerhin haben Sie gelegentlichen Kontakt zu ihren Verwandten in den USA. Doch Briefe kommen nicht immer an.

Camp de Rivesaltes •[highlight snippet=“9836″]Q[/highlight]• Sammellager Drancy •[highlight snippet=“9837″]Q[/highlight]

In Bolivien haben die Bensingers in der Zwischenzeit versucht sich einzuleben, so gut das angesichts der Umstände eben geht. [highlight snippet=“7043″]Ida[/highlight] schreibt nach wie vor regelmäßig Briefe. Manchmal bekommt sie erfreuliche Neuigkeiten über Freunde, die sich retten können. Häufig aber sind es tief traurige Nachrichten. Am schlimmsten ist jedoch die Ungewissheit, wenn man nichts hört und keine Briefe ankommen. Idas Freund Fritz bekommt im August Nachricht von seiner Mutter [highlight snippet=“7054″]Amalie[/highlight]. Er weiß noch nicht, dass es ihr letztes Lebenszeichen sein wird.

In Lyon kreuzen sich überraschenderweise [highlight snippet=“6796″]Ediths[/highlight] und [highlight snippet=“6809″]Lillis[/highlight] Wege wieder. Beide haben eine lange und belastende Tortur hinter sich. Sie sind gezeichnet von der Verfolgung der vergangenen Jahre und der Ungewissheit, wie es ihren Familien geht. Sie schließen sich mit neuen Namen und Papieren der Résistance an. Ihre Widerstandstätigkeit nennt sich „travail allemand“. Ihre Aufgabe ist es, an belebten Stellen der Stadt, wo sich Wehrmachtssoldaten aufhalten, Flugblätter liegen zu lassen, sie über Mauern von Kasernen zu werfen und auch mit Soldaten Kontakt aufzunehmen, um sie zur Desertion zu bewegen. Ediths „Kampfname“ ist jetzt „Solange Fournier“. Zu ihrer Widerstandsgruppe gehören neben [highlight snippet=“6809″]Lilli[/highlight] auch [highlight snippet=“8789″]Henriette Elter[/highlight] aus Mannheim und [highlight snippet=“8790″]Senta Manasse[/highlight] aus Neckarzimmern.

Die Wohnung in der Rue Paul Bert ist ab diesem Zeitpunkt das Zuhause der ganzen Gruppe, obwohl es nur eine Küche und ein Zimmer umfasst. Ohne Gas, ohne Strom, mit einer im Winter gefrorenen Wasserquelle und einer verstopften und entsetzlich stinkenden Gemeinschaftstoilette im Hof, ist die Wohnung karg und trist. Tagsüber müssen sie sich leise verhalten, um kein Aufsehen zu erregen. Auf die Toilette gehen sie nur nachts oder in der Dämmerung. Jedes Mal, wenn es an der Wohnung klopft, haben alle Angst, dass die Gestapo vor der Tür steht. Allerdings muss auch diese kleine Wohnung bezahlt werden. Hierzu trägt jeder seinen Teil bei. Edith zum Beispiel näht für einen jüdischen Pelzhändler Futter in Mäntel ein. Ein sehr schlecht bezahlter und außerdem illegaler Job.

Als eines Tages tatsächlich die Polizei vor Tür steht, ist glücklicherweise niemand in der Wohnung. Sie wird ausgeräumt und die zurückgelassenen Sachen sind natürlich verloren. Aber das kennt Edith ja schon. Die Hauptsache ist das Überleben. Ediths einzige Chance ist ein alter Österreicher, den sie noch aus dem Lager Gurs kennt. Er wohnt mit seiner Frau unter falschem Namen als Franzose in einem kleinen Ort namens St. Consorce in der Nähe von Lyon. Da er zu alt für körperliche Arbeit ist, macht er gelegentlich Schreibarbeiten für die Bauern oder hütet die Kühe. Edith findet bei ihm zeitweise Unterschlupf.

Im Laufe des Jahres 1943 geht [highlight snippet=“6796″]Edith[/highlight] als Fremdarbeiterin getarnt nach Wien. Sie setzt dort – gemeinsam mit ihrem Freund – ihre Widerstandstätigkeit fort. Am 4. Juli 1944 gehen sie jedoch der Gestapo ins Netz. Beide werden verhaftet und verhört. Sie werden zunächst im Polizeigefängnis Wien inhaftiert. Edith wird am 1. November in das [highlight snippet=“8092″]KZ Auschwitz[/highlight] deportiert. Tätowierte Häftlingsnummer: 85121. Ihre Papiere haben den Vermerk „Rückkehr unerwünscht“. 

KZ Auschwitz •[highlight snippet=“9840″]Q[/highlight]

Am 18. Januar 1945 wird sie als „jüdische Kommunistin“ und somit als „politischer Häftling“ weiter nach Westen deportiert. Der Transport erfolgt teils zu Fuß, teils in überfüllten Viehwaggons. Unterwegs werden mindestens ein Drittel der Deportieren erschossen, erschlagen oder sterben aufgrund der körperlichen Belastung. Als sie ihr Ziel erreichen, das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, müssen sie erst einige Tage und Nächte vor dem Lagertor warten, bis die „Aufnahmeformalitäten“ bei jedem einzelnen geklärt sind – gewissenhaft, wie es sich für ein deutsches KZ gehört. Mehr tot als lebendig kommen die meisten in die „Zugangsblocks“. Edith ist klar, dass die [highlight snippet=“7312″]Gestapo[/highlight] bald herausfinden wird, wo sie gelandet ist. Als sie die Häftlingsnummer bekommt, um diese auf der Kleidung anzunähen, biegt sie geistesgegenwärtig die letzte Ziffer vor dem Anbringen um. So kann sie den Eindruck erwecken, kein Neuzugang, sondern bereits ein alter Häftling zu sein.

Nach kurzer Zeit im Lager erscheint in Ediths Block eine Frau, die sie bittet mitzukommen. Sie gehen zu Mela Ernst. Sie ist die Leiterin des Internationalen Widerstandskomitees, das sich im Lager gebildet hat. Dort bekommt sie einen Kaffee und die beiden tauschen sich aus. Es ist gut zu wissen, dass es im Lager Menschen gibt, die ihr wohlgesonnen sind.

KZ Ravensbrück (Bild: N. Radtke •[highlight snippet=“9842″]Q[/highlight])

Nach ein paar Wochen dann der Schlag. Edith wird von einer Widerstandsgenossin, die in der politischen Abteilung arbeitet, unterrichtet, dass gegen sie und zwei andere politische Häftlinge ein Todesurteil verhängt wurde. Am nächsten Morgen beim Appell in der Früh soll ihr Name mit ihrer Nummer aufgerufen und dem Kommandanten vorgeführt werden. Ihre Genossinnen raten ihr, sich nicht zu melden.

Am nächsten Morgen stehen alle beim Zählappell. Als Ediths Name und Nummer genannt wird, gibt sie keinen Laut von sich. Da sie noch nicht lange auf dem Block ist, kennt sie fast keiner namentlich. Auch ihre Nervosität fällt offensichtlich niemandem auf. Nach dem Appell geht sie direkt zurück in den Block. Kaum angekommen, hört sie schon, wie die Lageraufseherin zur Blockältesten kommt und sagt, dass Edith Rosenblüth doch hier gemeldet sei. Edith versucht sich nichts anmerken zu lassen und steigt heimlich aus einem der Fenster. Draußen begegnet sie einer Genossin, die schon auf sie wartet. Die anderen beiden Verurteilten werden auch schon gesucht. Sie bittet Edith mitzukommen. Ihre Brille muss sie abgeben. Die drei Gesuchten werden nun fast jeden Tag in einem anderen Block versteckt. Sie dürfen nicht zum Appell erscheinen. Da bei jedem Appell die Blocks ganz leer sein müssen, nutzen sie jedes erdenkliche Versteck. Auch wenn manche [highlight snippet=“8074″]Blockältesten[/highlight] damit einverstanden sind, dass sie sich verstecken, manch andere würde sie vielleicht verraten. Über drei Wochen zieht sich das hin – das bedeutet, ständige Unsicherheit und Nervosität. An einem Tag gibt es einen Generalappell des gesamten Lagers, da der Kommandant extrem verärgert ist, dass unter seinem Kommando zum Tode Verurteilte nicht gefunden werden. Alle müssen daraufhin fast einen ganzen Tag lang stehen. Aufseherinnen mit Hunden kontrollieren das Lager. Doch es geht nochmal gut.

Für [highlight snippet=“6796″]Edith[/highlight] und eine weitere Inhaftierte organisiert das Widerstandskomitee eine Fluchtmöglichkeit aus dem Lager. Sie wollen die beiden in einen bevorstehenden Transport „schummeln“. Er führt in die bombardierten Städte. Dort sollen sie in Rüstungsbetrieben Zwangsarbeit leisten. Zuvor muss aber Ediths Häftlingsnummer von ihrem Unterarm entfernt werden. Die ebenfalls inhaftierte slowenische Ärztin Dr. Majda Mačkovšek erklärt sich bereit, den Eingriff zu riskieren. Sie kann die notwenigen Instrumente und Chloraethylen zur Narkose aus dem Revier schmuggeln. Da sie befürchtet, dass eine vollständige Narkose dazu führen könnte, dass die Häftlinge im Rausch anfangen zu schreien, wendet sie nur eine lokale Betäubung an. Die heiklen Eingriffe bei Edith und der zweiten Gefangenen verlaufen gut. Mit einigen Stichen näht sie die Wunden zu und verbindet sie.  

Nun sind sie bereit für den Abtransport. Edith bekommt noch den Namen und die Nummer einer toten Französin. Doch dann droht der Fluchtplan zu scheitern. Auf dem Weg zum Transport stürzt auf einmal eine Inhaftierte auf sie zu und schreit: „Falsch! Falsch! Das ist die Nummer meiner Freundin.“ Gott sei Dank schreit sie das auf Französisch. Ihre Freundin war wenige Tage zuvor im [highlight snippet=“9998″]Revier[/highlight] gestorben, doch davon weiß sie noch nichts. Die [highlight snippet=“8074″]Blockführerin[/highlight] Maria reagiert geistesgegenwärtig, schnappt sich ihr Blockbuch und faucht die [highlight snippet=“8074″]Blockälteste[/highlight] an, sie solle die Französin sofort in ihren Block reinziehen. Einige Meter entfernt steht Obersturmbannführer Pflaum und schaut schon misstrauisch. Maria redet sich um Kopf und Kragen, kann aber den Vorfall kaschieren. Geschafft! Edith wird beim Zählen eingereiht und ist weg. Der Transport verlässt das Lager.