
Karl Schroth ist am 18. Januar 1909 in Pforzheim geboren. Durch den Vikar Erwin Eckert kommt er als Stahlgraveur-Lehrling zur Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ), zur Gewerkschaft (Deutscher Metallarbeiterverband) und tritt 1927 der SPD bei. 1931 schließt er sich der links von der SPD stehenden Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) an.
Im April 1932 warnen die Linksparteien: „Hitler heißt Krieg, Not, Hunger und Elend für das ganze deutsche Volk!“ – eine klarsichtige Warnung, denn am 30. Januar 1933 übergeben die bürgerlichen Parteien Hitler und der NSDAP die Macht. Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 erhält die NSDAP in Pforzheim 57,5 Prozent der Stimmen.
1933 im Juni verteilen Karl Schroth, Hans Brammer, Karl Otto Bührer und weitere SAP-Mitglieder in Pforzheim die illegale Schrift „Das Fanal“. Das Titelblatt zeigt eine Fotomontage mit schrecklichen Kriegs- und Verwüstungsszenen unter dem Titel „Durch Rüstung zum Krieg !“. 1934 heißt es „Hitler bedeutet Krieg!“ auf Zetteln, die Nazi-Gegner heimlich in Briefkästen stecken. Karl Schroth und die SAP leisten auch für Verfolgte Fluchthilfe nach Frankreich.
1935 wird Karl Schroth inhaftiert und drei Tage verhört. Am 5. Mai 1938 verhaftet ihn die Gestapo erneut. Im März 1939 wird er aus der Einzelhaft im Pforzheimer Gefängnis nach Stuttgart verlegt. Am 6. September 1939 kommt der Volksgerichtshof Berlin nach Karlsruhe und verurteilt Karl Schroth zu zwei Jahren Gefängnis. Er muss in Darmstadt und Dieburg bei der Moor-Entwässerung mitarbeiten und im Straßenbau Steine klopfen. Im Frühjahr 1940 wird er entlassen und im Juni heiraten er und Klara Kaiser. Er muss sich täglich bei der Gestapo melden, bis er im Mai 1941 zur Wehrmacht gepresst wird. Von der Pforzheimer Buckenberg-Kaserne muss er zuerst nach Frankreich, dann nach Italien, wo er im Mai 1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft gerät.
Ab Juni 1944 ist er im französischen Kriegsgefangenen-Wüstenlager Djelfa in der Nähe von Laghuat (Algerien), ab April 1945 in einem Arbeitslager nahe der Mittelmeerküste.
Im Spätsommer 1945 – am Rande der Sahara – erfährt Karl Schroth, der Gegner der Nazi-Diktatur und des Eroberungskrieges, vom Schicksal seiner Heimatstadt am 23. Februar 1945, dem Tag des Luftangriffs auf Pforzheim:
„Auf der Straße, außerhalb des Stacheldrahtzauns, rasseln staubbedeckte Panzer mit allem Pipapo, Kradrädern, Jeeps und Munitionsfahrzeugen. Jawohl, ich schrecke bis ins Innere auf. Ich öffne die Augen ganz weit, die rasselnden Ungetüme sind grell bemalt – ein Jux, eine Fata Morgana – mit den Namen von unmittelbar an Pforzheim angrenzenden Gemeinden. Ich staune und lese: Kleinsteinbach, Königsbach, Bilfingen, Stein, Ersingen – auf jedem neu vorbeiziehenden Panzer – ein vertrauter Name. Sofort versuche ich einen Kradfahrer an den Zaun zu bekommen. Ohne Erfolg. Die Fahrzeuge donnern vorbei wie ein eiliges Gewitter. Die Heimat so fern und plötzlich so nah und umgehend wieder so fern. Ich gehe zu Freyér (einem Aufseher) und bitte ihn, einen dieser vorbeigerauschten Augenzeugen ausfindig zu machen, und nun erfahre ich von einem jungen Soldaten, dass seine Truppe in allen auf die Panzer gemalten Orten längere Zeit festgesessen ist. Und rücksichtsvoll, geradezu zögernd, gibt er preis, was ich ängstlich vermute: ‚Deine Stadt’ – er breitet die Arme weit aus – ‚tous cassé, kaputt, total kaputt.’ Ich fühle, wie mein Herz schneller schlägt, sich überhaspelt und zu rasen beginnt…“.
Im Juli 1947 aus der Gefangenschaft entlassen, kehrt er im August nach Pforzheim zurück. Karl Schroth wirkt nach dem Krieg mit beim Aufbau eines demokratischen Staates, durch seine Verbindungen als Zeitungsredakteur kommt Fritz Erler nach Pforzheim. Karl Schroth ist drei Jahre Vorsitzender der SPD, wirkt neun Jahre als Stadtrat für das Gemeinwesen und arbeitet bei der Volksbühne und der Arbeiterwohlfahrt mit.
Karl Schroth stirbt 1999.
2018 wird an der Bleichstraße 37 ein Stolperstein für ihn verlegt.
Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle

Fred Joseph, geboren am 18. Oktober 1911 in Luzern, wächst in Würzburg auf. Er ist nach den Rassebegriffen der Nationalsozialisten „Halbjude“ und arbeitet seit 1937 als Apotheker in Pforzheim. Er opponiert durch sein Engagement für katholische Pfadfindergruppen gegen die Hitlerjugend.
1941 wird er wegen „Weiterführung einer verbotenen Jugendorganisation“ zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach seiner Rückkehr nach Würzburg und einer erneuten Verhaftung verschleppen ihn die Nazis ins Konzentrationslager Auschwitz, wo er am 21.10.1943 an einer Rippenfellentzündung verstorben sein soll.
Am 13. März 2008 wurde vor Fred Josephs ehemaligem Wohnhaus in der Ebersteinstraße Nr. 18 der erste Stolperstein in Pforzheim verlegt. Außerdem ist die Fred-Joseph-Straße in Hohenwart nach ihm benannt.
Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle

Karl Heinrich Dürr ist am 31. Januar 1892 in Pforzheim geboren. Er ist ab 1924 erst Vikar, dann ab 1925 Pfarrer der heutigen Lukasgemeinde in der Pforzheimer Weststadt. 1936 verheiratet er sich in Freiburg mit Elisabeth Holzhausen.
Der Weltkriegs-Veteran Karl Dürr kommt durch Martin Niemöller zur „Bekennenden Kirche“. Am 22. November 1933 sind im Melanchthonhaus und im Saalbau zusammen über 3.400 evangelische Christen versammelt, um gegen die Deutschen Christen (DC), eine NS-nahe Gruppierung, zu protestieren. Diese hatten das Alte Testament als „Viehhändler- und Zuhältergeschichten“ verunglimpft, um die evangelische Kirche entsprechend der NS-Rassenlehre umzuformen. Dürr nennt die DC „Totengräber des evangelischen Bekenntnisses und Schrittmacher eines neuen Heidentums“.
1934 schreibt er an den Landesbischof Julius Kühlewein: „Enttäuschung und Verbitterung erfüllt uns, dass Sie nur einen „ungewöhnlichen Weg” zugeben, wo brutale und zynische Beiseitesetzung von Recht und Verfassung vorliegt […]. Denn dieser Geist [der Geist der Deutschen Christen; Anm. d. Autoren] ist im tiefsten Grund der Geist weltlicher Macht und Gewaltanwendung, dem bis aufs Blut widerstanden werden muss.”
Die Gestapo überwacht seine Predigten und verhört ihn mehrmals, seine Post wird geöffnet. Die Kirchenleitung versetzt ihn 1935 nach Freiburg. Dort betätigt er sich weiter für die Bekennende Kirche und wird von der Gestapo durch Vorladungen und Hausdurchsuchungen schikaniert. 1937 fordert er seine Kollegen der Bekennenden Kirche zu Fürbitte-Gottesdiensten für alle inhaftierten Pfarrer auf und wirbt für eine Unterschriften-Sammlung zugunsten Niemöllers. Die Verfolgung der Juden bezeichnet er als „einen markanten Verstoß gegen das christliche Bekenntnis“. Zum Widerstand im „Freiburger Kreis“ findet er, als er zusammen mit Gerhard Ritter und dem Freiburger Pfarrer Otto Hof Ende 1938 eine Denkschrift „Kirche und Welt“ verfasst, die sich mit dem Verhalten des Christen gegenüber einer Obrigkeit befasst, die die Staatsbürger zu „einer weltanschaulichen Gesinnungsgemeinschaft zusammenschweißen will und widergöttliche Gebote“ erlässt. Diese Denkschrift gilt als Vorstufe der zweiten „großen Denkschrift“ des „Freiburger Konzils“. Die Aktivität Dürrs im kirchlichen Widerstand bringt ihm bis 1945 wiederholt Hausdurchsuchungen und Verhöre durch die Gestapo ein, die ihn ausdrücklich als „Feind des Nationalsozialismus“ tituliert.
Karl Dürr stirbt 1976 in Pforzheim.
1985 wird in Pforzheim eine Straße im Wohngebiet Maihälden nach ihm benannt.
Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle

Karl Otto Bührer ist am 3. Juni 1901 in Pforzheim geboren. Seine Frau und er haben einen Sohn. Er ist ab 1927 Hauptlehrer in Pforzheim, Mitglied der SPD, des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und Leiter des Verbundes der Arbeitersportvereine mit über 3000 Mitgliedern.
1931 tritt er in die Sozialistische Arbeiter-Partei (SAP) ein, die ein Bündnis der Arbeiterparteien und Gewerkschaften gegen den drohenden Faschismus anstrebt. Ab 1933 arbeitet Bührer als führender Kopf der SAP trotz Verbot weiter: Flugblätter warnen vor der „Erweiterung des Lebensraums nach Osten“ (A. Hitler in „Mein Kampf“), was „soviel wie Krieg bedeutet“. Spendensammlungen helfen Verfolgten und ihren Familien, Fluchthilfestationen in Pforzheim und Schwann bei Pfarrer Friedrich Honecker – siehe dort – retten Bedrohte.
1935 wird Karl Bührer verhaftet, doch die Beweise gegen ihn reichen nicht zu einer Verurteilung. Im Herbst 1937 wird er nach Dietenhausen versetzt. 1938 wird er erneut verhaftet und zusammen mit 15 anderen SAP-Leuten, darunter Hans Brammer und Karl Schroth – siehe jeweils dort, 1939 vor Gericht gezerrt. Vom Volksgerichtshof erhält er am 9.6.1939 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zehn Jahre Zuchthaus. Er ist zuerst wie Otto Habmann und Walter Purkl von der SAP Pforzheim und Wilhelm Künzler (KPD) – siehe jeweils dort – aus Singen im Zuchthaus Ludwigsburg inhaftiert, dann wie Hans Brammer – siehe dort – im Zuchthaus Brandenburg/Havel, wo er unter unbekannten Umständen am 27. Dezember 1942 stirbt.
In Pforzheim erinnern die Karl-Bührer-Straße beim Hauptfriedhof und eine Gedenkplatte beim Denkmal für die Opfer des Nazi-Regimes auf dem Hauptfriedhof an ihn.
Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle
Quelle: USC Shoah Foundation
Unser Ziel ist es, Geschichte lebendig werden zu lassen. Es gilt, die Schicksale der Verfolgten in die Gegenwart zu holen. Darum sind uns eine gute Lesbarkeit und eine übersichtliche Gliederung wichtig. Der Schriftmix und die kurzen Absätze sollen zum Lesen anregen.
Als Grundfarbe wurde ein dunkles Violett gewählt; seine Gegenfarbe ist ein helles Minzgrün, das wir zur Hervorhebung bestimmter Elemente verwenden. Wer genau hinschaut, wird bemerken, dass sich die Hintergrundfarbe von Kapitel zu Kapitel langsam verändert: Das Purpur wandelt sich zu einem dunklen Braun.
Mit den Bildquellen gingen wir sorgsam um. Die Fotografien wurden behutsam retuschiert, optimiert und in das Farbkonzept eingebettet. So leuchten uns die alten Aufnahmen wieder kontrastreich und frisch entgegen.
FLORIAN ADLER
Bild: Aus Verwaltungsbericht der Stadt Pforzheim für das Rechnungsjahr 1927 (Stadtarchiv Pforzheim), bearbeitet.
Klassenfoto Ella Raelson: Privatarchiv A. Bieberich/W. Schroth, bearbeitet.
Bild Eugenie Bensinger: Interview Ida Simon: © 2023 USC Shoah Foundation, Los Angeles, CA, bearbeitet.
Pforzheimer Rundschau: gemeinfrei, zur Verfügung gestellt von Stadtarchiv Pforzheim, bearbeitet.
Bild: K. Schulz, in Brändle, G.: Jüdische Gotteshäuser in Pforzheim, S. 58, bearbeitet.
Bild: Privatarchiv H. Nachmann, bearbeitet.