Bildnachweise

Fotoatelier Rödelsheimer: Stadtarchiv Pforzheim, N191-70-338, Foto: Walter Hess, bearbeitet.

Innenansicht Geschäft: GLA KA 480-29332, bearbeitet.

Klassenfoto Ascher: Schularchiv Hilda-Gymnasium Pforzheim, bearbeitet.

Synagoge (Bild links): Stadtarchiv Pforzheim S1-8-Z-4-R-9, Foto: Gebr. Metz, bearbeitet, Glasnegativ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Sammlung Gebr. Metz.

Synagoge (Bild rechts): Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Sammlung Gebr. Metz), 1991_0140_035044, bearbeitet.

Foto „Im Gemeindehaus hinter der Synagoge“: Bild: Eleonore Peritz, in: Brändle, G.: Jüdische Gotteshäuser in Pforzheim, S. 44, bearbeitet.

Gebäude Pforzheimer Anzeiger: Stadtarchiv Pforzheim, S1-16-003-R-019, Foto: Otto Kropf, bearbeitet.

Titelblatt Pforzheimer Anzeiger: gemeinfrei, zur Verfügung gestellt von Stadtarchiv Pforzheim, bearbeitet.

Klassenfoto Ella Raelson: Privatarchiv A. Bieberich/W. Schroth, bearbeitet.

Paul Geiger: Aus Verwaltungsbericht der Stadt Pforzheim für das Rechnungsjahr 1927 (Stadtarchiv Pforzheim), bearbeitet.

Oberbürgermeister Kürz: Stadtarchiv Pforzheim, B37-160 (Feuerwehralbum 1933), bearbeitet.

Plakat „SA-Mann Brand“: © Deutsches Historisches Museum, bearbeitet.

Hitler in Pforzheim: Brändle, B. u. G., Jüdische Kinder im Lager Gurs. Gerettete und ihre Retter*innen, Karlsruhe 2020, S. 10, bearbeitet.

Titelseite Pforzheimer Rundschau: gemeinfrei, zur Verfügung gestellt von Stadtarchiv Pforzheim, bearbeitet.

„Hitlerjunge Quex“ aus: Pforzheimer Rundschau: gemeinfrei, zur Verfügung gestellt von Stadtarchiv Pforzheim, bearbeitet.

Fotos UfA-Lichtspieltheater: Stadtarchiv Pforzheim S1-06-049-R-008 & S1-06-049-R-003, Foto: Otto Kropf, beide bearbeitet.

Wahlplakat der NSDAP zur Reichstagswahl („Ein Volk ein Führer ein Ja“): Bundesarchiv, Bild 183-K0930-502 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE, Lizenz-Link: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-K0930-502,_Wahlplakat_der_NSDAP_zur_Reichstagswahl.jpg, bearbeitet.

Wahlplakat Litfaßsäule: Bundesarchiv, Bild 102-15183 / CC-BY-SA 3.0, Link Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, Link: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_102-15183,_Wahlplakat_der_NSDAP_zur_Reichstagswahl.jpg, bearbeitet.

Fotos Saalbau: Stadtarchiv Pforzheim S1-06-041-R-01-081, Foto: Gebr. Metz, bearbeitet, Glasnegativ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Sammlung Gebr. Metz; Stadtarchiv Pforzheim S1-06-041-R-01-080, Foto: Gebr. Metz, bearbeitet, Glasnegativ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Sammlung Gebr. Metz.

Literatur & Quellen

Becht, Hans-Peter: „Führer befiehl…“. Das nationalsozialistische Pforzheim 1933-1945, hg. von Stadtarchiv Pforzheim, Heidelberg/Ubstadt-Weiher/Neustadt a. d. W./Basel 2016, S. 115, 165, 167, 240, 241, 310, 311.

Brändle, Brigitte und Gerhard: Gerettete und ihre Retterinnen. Jüdische Kinder im Lager Gurs, hrsg. von IRG Baden, Karlsruhe 2021.

Brändle, Gerhard/Eger, Rebecca: Schikaniert, diskriminiert, vertrieben, deportiert, hg. v. Osterfeld-Realschule Pforzheim, Pforzheim 2011.

Brändle, Gerhard/Hary, Sarah: „…als ob wir Feinde wären“. Jüdische Kinder und Jugendliche in Pforzheim 1933 bis 1945. Vom Schul-Getto am Osterfeld zur Deportation ins Lager Gurs, hg. von Kulturamt Stadt Pforzheim, Pforzheim 2000.

Brändle, Gerhard: Jüdische Gotteshäuser in Pforzheim, hg. von Stadt Pforzheim, Pforzheim 1990.

Brändle, Gerhard: Die jüdischen Mitbürger der Stadt Pforzheim, hg. von Stadt Pforzheim, Pforzheim 1985.

Fundaminski, Michail: Aus der Vergangenheit Pforzheimer Warenhäuser, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, hg. von Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Band 155, Stuttgart 2007, S. 505-531.

Generallandesarchiv Karlsruhe: Akten Hildaschule: GLA KA 235-15004, GLA KA 235-48825, GLA KA 235-18842, GLA KA 235-42511; Familie Bensinger: GLA KA 480-20850, GLA KA 480-33775; Familie Braun: GLA KA 480-8794; GLA KA 480-15145; GLA KA 480-20830; Hannelore David: GLA KA 480-27204; Hedwig David: GLA KA 480-12188; Familie Dreifuss: GLA KA 480-20314, GLA KA 480-23655; Berta Funt: GLA KA 235-1-1183, GLA KA 466-22-4782, GLA KA 480-8784; Familie Furchheimer: GLA KA 480-8721, GLA KA 480-10501, GLA KA 480-28687; Anna Ganz: GLA KA 235-1-1218; Paul Geiger: GLA KA 235-1-1252, GLA KA 466-22-15138; Familie Grünbaum: GLA KA 480-30808, GLA KA 480-15254, GLA KA 480-6948; Edith & Lore Kahn: GLA KA 480-10239; Liselotte Krieg: GLA KA 480-20864; Familie Landau: GLA KA 480-29729, GLA KA 480-22319; Ilse Lasser: GLA KA 480-28036, GLA KA 480-21521, GLA KA 480-30576, GLA KA 235-42518; Herta Levy: GLA KA 480-22621, GLA KA 480-22624; Ruth Lieben: GLA KA 480-26573; Hermann Marx: GLA KA 480-1665; Fritz Nachmann GLA KA 480-6551; Ilse Nathan: GLA KA 480-31599; Familie Peritz: GLA KA 480- 22580, GLA KA 480-25647, GLA KA 480-28313; Familie Raelson: GLA KA 480-24296, GLA KA 480-28682; Ellen Roos: GLA KA 480-6094; Familie Rosenblüth: GLA KA 480-12550, GLA KA 480-11329; GLA KA 480-15154; Familie Schauer: GLA KA 480-14258, GLA KA 480-30095, GLA KA 480-7999; Ruth Süßmann: GLA KA 480-23694, GLA KA 480-23695, GLA KA 480-24659, GLA KA 480-29370; Familie Ullmann: GLA KA 480-14663, GLA KA 237-1967-19 Nr. 1860; Susanne Wolf: GLA KA 480-23135.

Hilda-Gymnasium Pforzheim: Fritzmartin Ascher. Tagebuch 1933, Pforzheim 2021.

Schularchiv Hilda-Gymnasium Pforzheim.

Quellen & Literatur zu Familie Braun:

GLA KA 480-8794; GLA KA 480-15145; GLA KA 480-20830; Brändle, Brigitte und Gerhard: Gerettete und ihre Retterinnen, hrsg. von IRG Baden, Karlsruhe 2021, S. 29.

Quellen & Literatur zu Familie Bensinger:

GLA KA 480-20850; GLA KA 480-33775; Memoiren I. Bensinger; Brief H. Bensinger, 2018; Interview USC Shoah Foundation.

Quellen & Literatur zu Familie Rosenblüth:

GLA KA 480-12550; GLA KA 480-11329; GLA KA 480-15154; Interview Edith Rosenblüths Sohn, 2014/2019; Privatarchiv Rosenblüth; Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes Akt 50104/13; Brändle, Brigitte und Gerhard: Gerettete und ihre Retterinnen, hrsg. von IRG Baden, Karlsruhe 2021, S. 29.

Quellen & Literatur zu Familie Ullmann:

GLA KA 480-14663; GLA KA 237-1967-19 Nr. 1860; Brändle, G.: Die jüdischen Mitbürger, S. 199 (Nr 752-755); Brändle, G./Hary, S.: „..als ob wir Feinde wären“, S. 126-128; Gertrude Schneider: The Unfinished Road. Jewish survivors of Latvia look back, Praeger Publishers, New York 1991, S. 57ff; Privatarchiv J. Lieberman; Interview USC Shoah Foundation.

[highlight snippet=“8553″]Samstag, 1. April[/highlight]. In der Pforzheimer Innenstadt sind viele Menschen unterwegs und erledigen den Wocheneinkauf. Vor allem am Leopoldplatz, in der Westlichen Karl-Friedrich-Straße und am Marktplatz ist reger Betrieb. Plötzlich rücken [highlight snippet=“6731″]SA[/highlight]-Posten in ihren braunen Uniformen an. Sie positionieren sich vor jüdischen Geschäften und stellen Schilder auf mit der Aufschrift „Ein Lump und Volksverräter ist jeder, der heute noch beim Juden kauft.“ Kunden, die dort einkaufen wollen, werden beschimpft. Bereits am Freitagnachmittag gab es eine ähnliche [highlight snippet=“10765″]Boykottaktion[/highlight] im Warenhaus Schocken. [highlight snippet=“6731″]SA[/highlight]-Männer hatten den Ausgang des Kaufhauses blockiert, andere gingen hinein und forderten Kunden auf, das Kaufhaus zu verlassen.

Vor dem Fotogeschäft von [highlight snippet=“10800″]Herrn Rödelsheimer[/highlight] am Schlossberg stehen nach wie vor SA-Posten mit Schildern. Doch der will sich das nicht gefallen lassen. Schließlich ist er stolzer [highlight snippet=“7287″]Veteran[/highlight] und hat im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft. Demonstrativ setzt er sich mit seinen Kriegsorden in das Schaufenster. Schon nach kurzer Zeit lockt das eine große Menschenmenge an. Im Schutz der Menge fällt der Satz: „Da steht so ein Rotzjunge von SA-Mann, der allenfalls die Windeln naßmachen konnte, als dieser Mann im Felde war und sich Orden verdiente.“ Die Situation verschärft sich, als weitere SA-Männer dazukommen und drohen, alles kurz und klein zu schlagen. [highlight snippet=“10800″]Herr Rödelsheimer[/highlight] verlässt daraufhin das Schaufenster. Doch er gibt sich noch nicht geschlagen. Nach kurzer Zeit kehrt er zurück und befestigt an der Innenseite seines Schaufensters eine bunte Postkarte, auf der Kinder unterschiedlicher Herkunft zu sehen sind. Darunter steht: „Wir sind alle Kinder eines Gottes.“ Es entsteht ein Gedränge, da die umstehenden Passanten sehen wollen, was auf der kleinen Karte geschrieben steht.

Fotoatelier Rödelsheimer •[highlight snippet=“9723″]Q[/highlight]• & Innenansicht •[highlight snippet=“9725″]Q[/highlight]

Obwohl der Boykott am Abend für beendet erklärt wird, muss allen klar sein, was die Nazis erreichen wollen: Das Leben der jüdischen Bevölkerung soll so unangenehm wie möglich gemacht werden. Vor allem den Geschäftsleuten will man die Kunden wegnehmen. Das entgeht auch Ida und Edith nicht. Das Geschäft von Ediths Vater ist ebenfalls betroffen. [highlight snippet=“6980″]Herr Rosenblüth[/highlight] betreibt ein [highlight snippet=“6740″]Zigarrengeschäft[/highlight] und befürchtet, dass ihm jetzt die Kunden ausbleiben.

Am selben Tag ist Bismarckfeier zu Ehren des [highlight snippet=“6741″]Eisernen Kanzlers[/highlight] und der [highlight snippet=“6742″]Reichseinigung[/highlight]. Alle Schülerinnen und die gesamte Lehrerschaft der Hildaschule versammeln sich dazu. Der Hildalehrer [highlight snippet=“10820″]Professor Martin[/highlight] hält die Rede. Die Feier endet mit einem Hoch auf den Reichspräsidenten Hindenburg und auf Kanzler Hitler. Anschließend singen alle das Deutschlandlied und heben die Hand zum „Hitler-Gruß“. Auch [highlight snippet=“7143″]Herr Ascher[/highlight] hebt in der ersten Überraschung den Arm, senkt ihn aber gleich wieder. Auch zwei oder drei weitere Lehrer lassen sich von der Stimmung nicht mitreißen und halten den Arm unten. Später verbreitet sich das Gerücht, dass eine jüdische Schülerin aus Idas Parallelklasse geschlagen wurde, weil sie sich weigerte die Hand zu heben.

Donnerstag, 6. April: An der Schule macht ein weiteres Gerücht die Runde. Angeblich muss Idas Lieblingslehrer, Herr [highlight snippet=“7143″]Professor Ascher[/highlight], gehen. Vor der Tür des Direktors sind Herr Ascher und [highlight snippet=“7155″]Frau Göller[/highlight] gesehen worden. Sie hatte Tränen in den Augen. Ein paar Tage später stellt sich jedoch heraus, dass sich das Gerücht nicht bewahrheitet. [highlight snippet=“9542″]Herr Ascher darf vorerst bleiben[/highlight].

Professor Ascher im Hof der Hildaschule •[highlight snippet=“9755″]Q[/highlight]

Freitagabends ist einer der zentralen Treffpunkte der jüdischen Gemeinde die Synagoge an der Zerrennerstraße. Die Gottesdienste werden dort auf reformierter Basis abgehalten. Das Einhalten bestimmter religiöser Regeln wird nicht so streng gehandhabt. Die Mitglieder sind stolz auf ihre Synagoge im maurischen Stil mit ihren bunten Glasfenstern. Zum Gottesdienst gehören die Gesänge von [highlight snippet=“6743″]Kantor[/highlight] [highlight snippet=“6784″]Hermann Marx[/highlight], eine Orgel, die [highlight snippet=“6785″]Herr Lieben[/highlight] spielt, und der Synagogenchor. Man sieht sich als moderne Gemeinschaft. Insofern unterscheidet sich die liberale deutsch-stämmige Gemeinde von der zahlenmäßig wesentlich kleineren israelitischen Bethausgemeinschaft in der Rennfeldstraße sehr deutlich. Deren Mitglieder sind hauptsächlich sogenannte „Ostjuden“, die zum großen Teil aus der Donaumonarchie, wie beispielsweise Polen, Litauen oder Ungarn, eingewandert sind. Sie achten auf strenge Einhaltung der Religionsgesetze. Man isst nur [highlight snippet=“8062″]koscher[/highlight], darf am [highlight snippet=“8063″]Schabbat[/highlight] nicht Auto fahren, nicht schreiben, darf nur mit Kopfbedeckung gehen und muss noch weitere Regeln beachten.

Synagoge (Bilder: Stadtarchiv Pforzheim •[highlight snippet=“9730″]Q[/highlight]• & Haus der Geschichte BW •[highlight snippet=“9731″]Q[/highlight])

Nach dem Gottesdienst in der Synagoge an der Zerrennerstraße kommen viele Mitglieder im Gemeindehaus hinter der Synagoge zusammen: Bekannte Gesichter sind natürlich die Kantoren Herr Marx und [highlight snippet=“6744″]Herr Sommer[/highlight], die Mitglieder des Synagogenrates, der Gemeindediener [highlight snippet=“6745″]Herr Levy[/highlight] und viele weitere. Die politischen Entwicklungen sind auch hier ein zentrales Gesprächsthema.

HERMANN MARX
Hermann (*31.10.1890 in Boedigheim) wohnt in der Schwarzwaldstraße 32. Er kann 1939 mit seiner Frau Selma nach Palästina fliehen.
FELICE SIMON
Felice (*3.5.1912 in Bretten) wohnt in der Östlichen-Karl-Friedrich-Straße 15. Sie kann 1937 in die USA fliehen.
LILLY ADLER
Lilly (*8.3.1908 in Pforzheim) wohnt in der Belfortstraße 16. Ihr gelingt 1939 die Flucht nach Großbritannien.
MARGARETE PERITZ
Margarete (*16.8.1909) wohnt in der Güterstraße 8 und zieht später nach Berlin. Sie wird 1943 von dort aus nach Auschwitz deportiert und ermordet.
ELEONORE PERITZ
Eleonore (*25.2.1908 in Pforzheim) wohnt in der Güterstraße 8. Ihr gelingt 1939 die Flucht nach Großbritannien.
OTTO STRIMPEL
Otto (*5.7.1901 in Heidelberg) wird 1940 nach Gurs verschleppt, 1942 weiter nach Auschwitz deportiert und ermordet.
JOSEF A. BLOCH
Josef (*18.10.1877 in Pforzheim) kann 1939 nach Großbritannien fliehen.
ILSE TIEFENBRONNER
Ilse (*3.2.1908 in Pforzheim) gelingt 1935 die Flucht nach Palästina.
LIESE PERITZ
Liese (*24.11.1914 in Pforzheim) wohnt in der Güterstraße 8. Sie kann mit ihrer Schwester Eleonore 1939 nach Großbritannien fliehen.
LIESELOTTE BARUCH
Lieselotte (*15.12.1913 in Pforzheim) wohnt in der Ebersteinstraße 6. Sie wird 1940 nach Gurs verschleppt, 1942 weiter nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Im Gemeindehaus hinter der Synagoge •[highlight snippet=“9733″]Q[/highlight]

Die Veränderungen sind inzwischen auch in weiteren Bereichen des Alltags zu spüren. Die sozialdemokratische Zeitung „Freie Presse“ darf auf einmal nicht mehr erscheinen. Auch das [highlight snippet=“7226″]„Morgenblatt“[/highlight] wird zeitweise verboten. Den „Pforzheimer Anzeiger“ kann man allerdings noch kaufen, schließlich ist er auf Linie der neuen Machthaber.

Pforzheimer Anzeiger in der Enzstraße 23 •[highlight snippet=“9735″]Q[/highlight]

Für [highlight snippet=“6795″]Edith[/highlight] deutet sich ein paar Wochen später an, was die neuen politischen Verhältnisse für die jüdischen Schülerinnen bedeuten können. Ihre Klassenkameradin [highlight snippet=“6934″]Ella[/highlight] verlässt die Schule und zieht nach Palästina. Ihr Vater ist dort schon seit einer Weile auf einer Geschäftsreise. Er und seine Frau sehen anscheinend ihre Zukunft außerhalb Deutschlands.

Ende April verbreitet sich die Nachricht, dass [highlight snippet=“9880″]Herr Dr. Geiger[/highlight] nicht mehr Direktor ist. Wenige Tage später ist da ein neuer Schulleiter: Herr [highlight snippet=“7154″]Dr. Kinkel[/highlight]. Am darauffolgenden Tag lässt der neue Direktor die gesamte Schülerschaft vor Unterrichtsbeginn versammeln. Er weist die Schulgemeinschaft auf die Bedeutung des [highlight snippet=“6746″]1. Mai[/highlight] als nationaler Feiertag hin. Drei Wochen später spricht er wieder zu den Hildaschülerinnen und versammelten Lehrkräften. Anlässlich des zehnten Todestages [highlight snippet=“6747″]Leo Schlageters[/highlight] gibt es eine feierliche Gedenkstunde.

Links: Ella Raelson (stehend, Erste von rechts) •[highlight snippet=“9874″]Q[/highlight]• rechts: Dr. Paul Geiger •[highlight snippet=“9875″]Q[/highlight]

Samstag, 17. Juni. Auf dem Pforzheimer Marktplatz versammeln sich gegen neun Uhr abends mehrere [highlight snippet=“7153″]Hitlerjungen[/highlight] und weitere Pforzheimer. Obwohl es regnet, errichten sie ein Feuer. Dann beginnen sie, Bücher auf den provisorisch errichteten Scheiterhaufen zu werfen und schauen dabei zu, wie sie in Flammen aufgehen. Die Bücherverbrennung findet direkt in Sichtweite von Ediths Wohnung statt. Verbrannt werden Bücher von Schriftstellern aus dem politisch linken Spektrum oder von jüdischen Autoren. [highlight snippet=“6797″]Ida[/highlight] ist beunruhigt, als sie davon erfährt. Sie muss an ein Zitat des Schriftstellers [highlight snippet=“7169″]Heinrich Heine[/highlight] denken. In den Tagen und Wochen zuvor hatte es in mehreren deutschen Universitätsstädten derartige Veranstaltungen gegeben – so wie auch am 10. Mai in Berlin…

Vier Wochen später ist Deutschland ein Einparteienstaat. Alle Parteien außer der NSDAP werden verboten oder zur Selbstauflösung gedrängt. Hitler hatte ja schon mehrfach angekündigt, alle anderen Parteien außer der NSDAP beseitigen zu wollen. Und auch in Pforzheim gibt es eine „Neuerung“: Um auch das Amt des Oberbürgermeisters im Sinne der Nationalsozialisten zu besetzen, ernennt der badische Gauleiter Robert Wagner am 19. Juni Hermann Kürz zum neuen Oberbürgermeister.

In der Hildaschule wird seit Neuestem sehr viel Abwechslung geboten. Die Schülerinnen bekommen jetzt regelmäßig Kinofilme zu sehen. Und dass dafür Unterricht ausfällt, freut natürlich die meisten. Am 22. Juni schauen sie gemeinsam den Film [highlight snippet=“7189″]“Tag von Potsdam“[/highlight]. Auch am 24. Juli freuen sich die Schülerinnen wieder über Unterrichtsausfall. Diesmal dürfen sie den Film [highlight snippet=“7190″]“SA-Mann Brand“[/highlight] ansehen.

Oberbürgermeister Kürz •[highlight snippet=“9738″]Q[/highlight]• Filmplakat (© Deutsches Historisches Museum)

Vom 12. bis 14. August 1933 ist stadtweite Beflaggung angesagt. Pforzheim versinkt in einem Fahnenmeer. Mit Musik und einem riesigen Aufmarsch der regionalen Feuerwehren wird das große [highlight snippet=“7192″]Feuerwehr-Jubiläum[/highlight] gefeiert. Ganz Pforzheim scheint auf den Beinen zu sein. Schon am Freitagabend konnten die Festbesucher einen großen Fackelzug mit [highlight snippet=“6748″]Zapfenstreich[/highlight] und Konzert auf dem Messplatz bestaunen. Die Eröffnungsfeier am Samstagabend im Saalbau wird begleitet von einer großen Show mit Musik, Gesang und der Festrede des neuen Oberbürgermeisters Kürz. Doch das größte Spektakel findet erst am Sonntag statt. Nach der Hauptübung um halb 12 auf dem Marktplatz beginnt gegen 14 Uhr der Festzug in der Holzgartenstraße in Richtung Messplatz. Und den Abschluss und Höhepunkt des furiosen Festes bildet am Abend um Punkt 9 Uhr dann dort das große Feuerwerk.

Im Spätsommer ist die Stimmung in Pforzheim wieder euphorisch. Am 14. September erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass Reichskanzler Adolf Hitler der Stadt einen Besuch abstattet. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht. Mehrere Schulen machen dafür sogar früher Schluss. Teilweise ziehen sie klassenweise zum Leopoldplatz und zur Westlichen Karl-Friedrich-Straße. Gespanntes Warten auf den Ehrengast.

Jubel bricht aus, als die Wagenkolonne erscheint. Der „Führer“ steht in seinem offenen Wagen, der nur im Schritttempo an den jubelnden Pforzheimerinnen und Pforzheimern vorbeifahren kann. Das Fahrzeug des Reichskanzlers – ein Mercedes vom Typ „Nürburg“ – fährt am Modegeschäft „Krüger & Wolff“ vorbei. Die Menschen auf dem Marktplatz und am Straßenrand heben die Hand zum „Deutschen Gruß“ und jubeln dem neuen „Volkskanzler“ zu. Sein Besuch dauert aber nur kurz. Schließlich ist Hitler nur auf der Durchfahrt nach Öschelbronn, um sich vier Tage nach der großen Brandkatastrophe selbst ein Bild von der Zerstörung zu machen. Dieser Solidaritätsbesuch kommt bei der Bevölkerung sehr gut an.

Hitler am Marktplatz •[highlight snippet=“9741″]Q[/highlight]• Pforzheimer Rundschau vom [highlight snippet=“8558″]15. September[/highlight]

Ein paar Tage später ist schon wieder Kinotag in der Schule. Diesmal steht der Film „Hitlerjunge Quex“ auf dem Programm. Der Kinostreifen handelt von dem gutaussehenden Jungen Heini Völker, genannt Quex. Sein Vater ist Kommunist. Heini möchte aber unbedingt in die Hitlerjugend. Es geht um Mut, Tapferkeit und den Einsatz für das nationale Deutschtum. Am Ende wird der Jugendliche von Kommunisten ermordet, als er Flugblätter für die Nazis verteilt. Viele sind beeindruckt. Und natürlich fällt wieder Unterricht aus. Das ist das Beste.

Filmplakat •[highlight snippet=“9878″]Q[/highlight]• Kino an der Zerrennerstraße (Zur Bildergalerie) •[highlight snippet=“9744″]Q[/highlight]

Für die jüdische Bevölkerung kommt es zu weiteren Einschränkungen. Am 22. September wird ein Berufsverbot für jüdische Schriftsteller und Künstler erlassen. Knapp zwei Wochen später dürfen jüdische Redakteure und [highlight snippet=“7195″]Schriftleiter[/highlight] nicht mehr arbeiten. 

Der Spätsommer und Herbst sind geprägt von alten und neuen Feierlichkeiten an der Schule und schon wieder vom Wahlkampf: Gedenkfeier der [highlight snippet=“7198″]Schlacht vor Wien[/highlight] am 12. September, das Erntedankfest am 29. September, die Geburtstagsfeier des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg mit einer Rede des Direktors sowie eine Luftschutzübung am 9. Oktober, der vom Luftschutztrupp Ekkehard veranstaltet wird. Zwei Tage vor der Wahl hört die gesamte Hildagemeinschaft gemeinsam die Radioübertragung der Rede des Reichskanzlers Hitler in den Siemenswerken in Berlin. Er spricht dort vor der versammelten Arbeiterschaft über Außenpolitik, die eigenen Erfolge und die Pläne der Regierung. Als er über die jüdische Bevölkerung spricht, versuchen die jüdischen Schülerinnen sich nichts anmerken zu lassen.

Am 12. November 1933 findet schon wieder eine Reichstagswahl statt. Diese wird zeitgleich mit der Volksabstimmung über den Austritt Deutschlands aus dem [highlight snippet=“8064″]Völkerbund[/highlight] durchgeführt. Dieses Mal können aber nicht mehr verschiedene Parteien gewählt werden. Es existiert nur noch eine [highlight snippet=“7197″]Einheitsliste[/highlight] der NSDAP, der man per Kreuz zustimmen kann oder nicht. Das Ergebnis: Über 92 % stimmen für die Liste der NSDAP. 

Wahlplakate (Quelle: Bundesarchiv (links: [highlight snippet=“9747″]Q[/highlight], rechts: [highlight snippet=“9748″]Q[/highlight]))

An der Hildaschule sind die letzten Höhepunkte des Jahres 1933 zwei Kinobesuche: am 17. November „Hitler über Deutschland“, am 9. Dezember „Sieg des Glaubens“. Die Nazis, ihre Symbole und Parolen sind inzwischen fast überall. Hakenkreuzflaggen, ständige „Heil“-Rufe, die braunen Uniformen, die durch die Straßen marschieren und ihre Lieder singen. Wohin man schaut, die Nazis haben in kürzester Zeit viele Bereiche des Alltags durchdrungen. Wer offenen [highlight snippet=“10342″]Widerstand[/highlight] leistet, wird an den Rand gedrängt oder verfolgt. Wer sich einreiht und mitmarschiert, findet sich in einer großen Gemeinschaft wieder.

Auch das Jahr 1934 beginnt mit einer Reihe von Feiern und Veranstaltungen, die den geistig-seelischen Umschwung der nationalsozialistischen Revolution bekräftigen und fördern sollen. Die Einheit und der Zusammenhalt der Schülerschaft soll ebenfalls gestärkt werden: Am 18. Januar wird die Reichsgründung gefeiert, am 30. Januar die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler vor einem Jahr, am 5. Februar ist wieder Kinotag – diesmal heißt der Film „Deutschland erwacht“ – und noch vor Ende des Schuljahres erfolgt am 9. März die feierliche Flaggenhissung anlässlich des Gedenktages der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten in Baden. Auch dazu hält Direktor Kinkel eine Rede. Am 21. März lauscht die Schulgemeinschaft erneut einer Radioübertragung: Der „Führer“ spricht diesmal über die Eröffnung der Arbeitsschlacht.

Das Schuljahr endet mit einer großen Feier und viel Emotion am 23. März im Saalbau.

Saalbau (Ansicht Rückseite & Blick von Jahnstraße aus) •[highlight snippet=“9751″]Q[/highlight]

„Hitler nennt mich Sara“ (Komposition & Klavier: Christopher Bork)


„Lebenszeichen“ (Komposition & Klavier: Christopher Bork)


„Spurensuche“ (Komposition & Klavier: Christopher Bork)

Grabmal auf dem Hauptfriedhof Pforzheim

Innenraum des Schuhhauses Speier

Die jüdische Angestellte Eleonore Peritz (Dritte von rechts) kann 1939 nach Großbritannien fliehen.

URSULA NATHAN
Ursula (*16.2.1925 in Pforzheim) wird 1945 in das KZ Theresienstadt deportiert. Sie überlebt und emigriert später in die USA.
HERTA DREIFUß
Herta (*14.11.1924 in Pforzheim) wohnt in der Ebersteinstraße 18. Sie kann 1939 mit ihren Eltern in die USA fliehen.
LILLI BRAUN
Lilli lebt mit ihrer Familie in der Güterstraße 5.
BEATE BERMANN
Beate (*18.8.1924 in Rottweil) lebt mit ihren Eltern in der Durlacher Straße 15. Ihr gelingt 1938 mit ihrer Familie die Flucht in die USA.

Lilli 1931 auf einem Klassenfoto der Osterfeldschule (später: Hindenburgschule)

Louis Viret war Mitglied der Widerstandsgruppe „Réseau Alliance“. Er ist am 4. Juli 1895 in Marseille geboren. Er war Offizier der Handelsmarine und Korvettenkapitän.
Bei seiner Tätigkeit für Réseau Alliance trug er die Deckbezeichnung « W2 ». Er wurde am 11. August 1943 festgenommen. Wann und wie er ins Gefängnis in Pforzheim kam, ist nicht bekannt.

Am 30. November 1944 holten Julius Gehrum, Gestapo-Chef in Strasbourg und Leiter der Wehrmacht-Abwehrstelle, und vier SS-Männer acht Frauen und 17 Männer von Réseau Alliance aus dem Pforzheimer Gefängnis heraus und ermordeten sie im Waldgebiet Hagenschieß im Süden der Stadt Pforzheim am Rande eines Bombentrichters, darunter auch Louis Viret.

Er wurde 1947 in Callian im Departement Var bestattet. 


Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle

Quelle: En Mémoire – zur Erinnerung. Réseau Alliance, Pforzheim 2019.

Rosa Storck war Mitglied der Widerstandsgruppe „Réseau Alliance“. Sie kam als Rosa Jaquet am 21. November 1916 in Olloy bei Namur in Belgien zur Welt. Durch ihre Heirat mit Gaston Storck wurde sie Französin, sie hatte eine Tochter. Sie arbeitete als Sekretärin. Bei „Réseau Alliance“ war sie mit der Deckbezeichnung „V 12“ Nachrichtenverteilerin in Castelsarrasin für den Bereich von Toulouse.

Sie wurde am 18. Februar – nach anderen Angaben am 12. August 1943 – festgenommen. Wann und über welche Stationen sie ins Gefängnis in Pforzheim kam, ist nicht bekannt. 

Am 30. November 1944 holten Julius Gehrum, Gestapo-Chef in Strasbourg und Leiter der Wehrmacht-Abwehrstelle, und vier SS-Männer acht Frauen und 17 Männer von Réseau Alliance aus dem Pforzheimer Gefängnis heraus und ermordeten sie im Waldgebiet Hagenschieß im Süden der Stadt Pforzheim am Rande eines Bombentrichters, darunter auch Rosa Storck.

Sie ist auf dem Militärfriedhof in Strasbourg-Cronenbourg beigesetzt. 


Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle

Quelle: En Mémoire – zur Erinnerung. Réseau Alliance, Pforzheim 2019.

André Sondaz war Mitglied der Widerstandsgruppe „Réseau Alliance“. Er st am 6. Juni 1909 in Annecy geboren. Er war Offizier der französischen Armee und im Widerstand gegen die Besetzung seines Landes als Kundschafter für die Gruppe Viret-Giraud tätig. Am 20. September 1943 wurde er festgenommen; wann und wie er ins Gefängnis in Pforzheim kam, ist nicht bekannt.

Am 30. November 1944 holten Julius Gehrum, Gestapo-Chef in Strasbourg und Leiter der Wehrmacht-Abwehrstelle, und vier SS-Männer acht Frauen und 17 Männer von Réseau Alliance aus dem Pforzheimer Gefängnis heraus und ermordeten sie im Waldgebiet Hagenschieß im Süden der Stadt Pforzheim am Rande eines Bombentrichters, darunter auch André Sondaz.

Seine Leiche wurde am 10. Juli 1947 seiner Familie übergeben. 


Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle

Quelle: En Mémoire – zur Erinnerung. Réseau Alliance, Pforzheim 2019.

Amélie Simottel war Mitglied der Widerstandsgruppe „Réseau Alliance“. Sie ist am 29. Februar 1876 in Brest geboren.

Sie war die Schwester von Marie Gillet und im Zivilberuf Versicherungskauffrau.
Sie wurde wie die anderen Angehörigen der Familie Gillet am 27. September 1943 in Brest festgenommen und kam am 25. Januar 1944 nach Pforzheim. 

Am 30. November 1944 holten Julius Gehrum, Gestapo-Chef in Strasbourg und Leiter der Wehrmacht-Abwehrstelle, und vier SS-Männer acht Frauen und 17 Männer von Réseau Alliance aus dem Pforzheimer Gefängnis heraus und ermordeten sie im Waldgebiet Hagenschieß im Süden der Stadt Pforzheim am Rande eines Bombentrichters, darunter auch Amélie Simottel.

Mit 68 Jahren war sie die Älteste der Ermordeten. Ihr Grab befindet sich in Colmar. 


Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle

Quelle: En Mémoire – zur Erinnerung. Réseau Alliance, Pforzheim 2019.

René Premel war Mitglied der Widerstandsgruppe „Réseau Alliance“. Er ist am 6. Juni 1906 in Brest geboren. Er war Rangierer und stellvertretender Leiter des Marine-Material-Lagers in Brest. Er war für Réseau Alliance Kundschafter mit dem Decknamen „Grèbe“, also „Tauchvogel“, und zuständig für illegale Radio- und Funkverbindungen zwischen den Widerstandsgruppen und dem britischen Nachrichtendienst. 

Wie seine Frau und deren Mutter wurde er am 27. September 1943 von der Gestapo festgenommen. Am 1. Januar 1944 brachte ihn die Gestapo von Paris ins Gefängnis nach Pforzheim.

Am 30. November 1944 holten Julius Gehrum, Gestapo-Chef in Strasbourg und Leiter der Wehrmacht-Abwehrstelle, und vier SS-Männer acht Frauen und 17 Männer von Réseau Alliance aus dem Pforzheimer Gefängnis heraus und ermordeten sie im Waldgebiet Hagenschieß im Süden der Stadt Pforzheim am Rande eines Bombentrichters, darunter auch René Premel.


Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle

Quelle: En Mémoire – zur Erinnerung. Réseau Alliance, Pforzheim 2019.

Marguerite Premel (geb. Corre) war Mitglied der Widerstandsgruppe „Réseau Alliance“. Sie ist am 5. Mai 1906 in Brest geboren. Sie organisierte die Verbindungen zwischen den einzelnen Gruppen von Réseau Alliance und wurde von der Gestapo am selben Tag, dem 27. September 1943, festgenommen wie ihr Mann René Premel und ihre Mutter Marie-Jeanne Le Bacquet. 

Im Januar 1944 wurde sie aus Paris ins Gefängnis in Pforzheim verschleppt. Am 30. November 1944 holten Julius Gehrum, Gestapo-Chef in Strasbourg und Leiter der Wehrmacht-Abwehrstelle, und vier SS-Männer acht Frauen und 17 Männer von Réseau Alliance aus dem Pforzheimer Gefängnis heraus und ermordeten sie im Waldgebiet Hagenschieß im Süden der Stadt Pforzheim am Rande eines Bombentrichters, darunter auch Marguerite Premel.


Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle

Quelle: En Mémoire – zur Erinnerung. Réseau Alliance, Pforzheim 2019.