Henriette Elter
Henriette Elter ist am 21. Juli 1920 in Mannheim geboren.
Die Nazis verschleppen sie mit ihrer Mutter Lina in das Lager Gurs. Ihr Weg aus dem Lager Gurs in das Heim in Lastic-Rosans bei Sisteron, das von der Hilfsorganisation „Amitié Chrétienne“ eingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Sie entkommt der Razzia der Vichy-Polizei am 26. August 1942 und schließt sich wie Edith Rosenblüth aus Pforzheim in Lyon der Résistance an.
Sie erhält richtige falsche Papiere auf den Namen „Marie Louise Roth“ und stammt aus dem Elsass. Sie wird verhaftet und kann mithilfe rumänischer Antifaschisten aus dem Lager Les Milles fliehen – diese Rumänen hatten 1936 bis 1939 in den Internationalen Brigaden in Spanien gegen den Militärputschisten Franco gekämpft, mussten nach Frankreich fliehen und wurden dort in Lagern wie Gurs und Le Vernet interniert.
Im Februar 1943 kommt Raymond Joseph, der Sohn von Henriette Elter und Arthur Schnierer, in Limoges zur Welt. Sie lebt mit ihm in Elne bei Perpignan in einem Entbindungs- und Säuglingsheim des Schweizerischen Roten Kreuzes unter der Leitung von Elisabeth Eidenbenz. Nach einigen Monaten kann sie ihren Sohn in einer Familie unterbringen. Sie geht zurück zu ihren Freunden der Résistance nach Lyon und beteiligt sich wieder am Widerstand: „Wir hatten eine handbetriebene Druckmaschine, die im Garten vergraben war. Mit ihr druckten wir Flugblätter gegen die Besatzung“.
Nach der Befreiung 1944 erfährt Henriette, dass die Nazis ihre Mutter Lina mithilfe der Vichy-Polizei am 4. September 1942 von Drancy in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert hatten. Sie erfährt auch, dass Arthur Schnierer die Deportation ins Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt hatte, aber im Oktober 1945 an der Folgen der Haft gestorben war. 1947 verheiratet sie sich mit Bernard Polak, 1949 kommt der Sohn Marcel zur Welt und Henriette holt ihren Sohn Raymond, der in einem jüdischen Waisenhaus untergebracht war, zur Familie.
Die Familie wandert 1953 in die USA aus.
Autoren: Brigitte und Gerhard Brändle
Quellen: Elter, Fontaine, Gedenkbuch Bundesarchiv, Kessler, Schwager, jewishtraces.org/le-centre-daccueil-du-lastic/, in: Gerettete und ihre Retter*innen • Jüdische Kinder im Lager Gurs, Karlsruhe 2021, S. 76. Zur Onlineversion (externer Link)
